Hart oder weich? Eine Frage, die viele eher mit der Frage nach dem Frühstücksei verbanden, bewegt seit dem 24. Juni dieses Jahres die politischen Gemüter auf europäischer Ebene. Doch statt um das Produkt der Henne dreht sich die Entscheidungsfrage um das zukünftige Verhältnis zwischen Großbritanniens und der Europäischen Union (EU).

Soll also der „Brexit“, wie der Ausstieg Großbritanniens aus der EU genannt wird, ein brutaler Schnitt werden, also hart sein oder sollte man versuchen, so viele gemeinsame Errungenschaften zu bewahren, wie es die Entscheidung der Briten in der Volksabstimmung vom 23. Juni 2016 hergibt, sprich eher weich? Gerade den harten Brexit haben seit der Abstimmung in Großbritannien führende EU-Vertreter befürwortet. Wie wird sich der Austritt auf die EU langfristig auswirken und wie kam es überhaupt zu dieser Abstimmung?

Diese und viele Fragen mehr beantwortete bzw. diskutierte Dr. Gérard Bökenkamp mit 21 Mitgliedern unseres Verbandes sowie Gästen aus den Reihen der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) Bonn.

Dr. Bökenkamp ist nicht nur Mitglied der deutsch-britischen Handelskammer, sondern arbeitet hauptberuflich für Open Europe Berlin. Open Europe Berlin sieht sich selbst als eigenständige deutsche Denkfabrik mit europäischer Ausrichtung und strebt grundlegende Reformen in der EU an.

In dieser Funktion hatte Dr. Bökenkamp 2016 den Schwerpunkt zuerst auf dem Vorlauf des Brexits sowie denn auf den potentiellen Folgen, die sich aus der Volksabstimmung ergeben.

In der Diskussion spiegelte sich das große Bedauern wider, dass die VLAler für die britische Entscheidung empfinden. Deutschland verliert damit, wie Dr. Bökenkamp gleichfalls klar darlegte, einen wichtigen politischen Partner auf der europäischen Ebene. Damit verschiebe sich das politische Gewicht hin zu den südeuropäischen Staaten, die teilweise ein anderes Verständnis, vor allem im Bereich der Finanz- und Sozialpolitik haben.

Daneben sind auch bei den VLA-Mitgliedern die Befürchtungen hoch, dass der Brexit nur der Auftakt zu einem immer schnelleren Auseinanderstreben der EU-Mitgliedsstaaten sein könnte. Gleichzeitig befürwortete eine Mehrheit der Anwesenden einen weichen Brexit. Die Folgen eines harten Brexits wurden als zu schwerwiegend für die europäische Wirtschaft, aber vor allem für die deutsche, bewertet. Insgesamt waren alle von den kompetenten und tiefgründigen Ausführungen Dr. Bökenkamps beeindruckt. Bereichert wurde der Abend auch durch die Anwesenheit von Frau Menke-Glückert, die freudig begrüßt wurde. Die große Anzahl an Teilnehmern von Jung und Alt hinterlässt auf jeden Fall große Vorfreude auf das nächste Bonner Regionaltreffens in 2017.