Junge Generation in der Politik Verantwortung statt Bevormundung
LP 1/2025 | Dominik Rauth
Wenn eine 46-Jährige als „die Jüngste“ an einem Verhandlungstisch der deutschen Politik sitzt, läuft etwas schief. Jüngst offenbarte sich dieses Kuriosum bei den Sondierungsgesprächen zwischen CDU und SPD, als Dorothee Bär mit Mitte 40 die Juniorin der Runde war. Dieses Beispiel zeigt, wie wenig politische Verantwortung tatsächlich an junge Menschen übertragen wird. Entscheidungen über Digitalisierung, Staatsfinanzen oder Klimaschutz werden von einer Alterskohorte getroffen, welche die langfristigen Konsequenzen oft nicht mehrerleben wird.
Politik für die Zukunft – aber ohne die Generation, die sie erleben wird?
Es reicht nicht, immer wieder zu betonen, dass junge Menschen wichtig seien. Sie müssen auch Verantwortung übernehmen können. Die zunehmende Staatsverschuldung zeigt, wie dringend ihre Perspektive gebraucht wird. Gerade erst hat der Bundestag neue Schulden in dreistelliger Milliardenhöhe beschlossen – eine finanzielle Last, die vor allem die junge Generation tragen muss. Selbst die Junge Union warnt davor, dass diese Politik zukünftige Gestaltungsspielräume zerstört. Und trotzdem: In den entscheidenden Gremien sitzen fast ausschließlich ältere Politiker.
Wer über die Zukunft entscheidet, sollte auch diejenigen einbinden, die am längsten mit den Konsequenzen leben. Doch anstatt junge Talente gezielt zu fördern, wird oft mit der Begründung „fehlende Erfahrung“ argumentiert. Dabei ist es in anderen Bereichen längst selbstverständlich, dass Kompetenz nicht nur eine Frage des Alters ist. Wer ein Unternehmen führt, eine Wissenschaftskarriere verfolgt oder als Gründer Verantwortung übernimmt, muss sich nicht erst Jahrzehntelang „hocharbeiten“.
Ein Beispiel: Ein 22-Jähriger, der bereits in der Schule Verantwortung übernommen hat – sei es als Schulsprecher oder in der Schülervertretung – beginnt früh, politische Strukturen zu verstehen. Er studiert Wirtschaftswissenschaften, gründet mit 21 ein Start-up und führt mit 22 ein Team von zehn Mitarbeitern. Parallel engagiert er sich bei den Jungen Liberalen, kandidiert kommunal für die FDP und trägt Verantwortung in einem Ortsbeirat. Warum sollte so jemand nicht für ein politisches Mandat infrage kommen? Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, Lösungen zu entwickeln und Mehrheiten zu organisieren. Doch in vielen Parteien wird stattdessen nach dem Motto verfahren: „Erstmal 20 Jahre dabei sein, dann sehen wir weiter.“
Liberale Politik als Motor für junge Talente
Gerade die liberale Politik sollte Vorreiter sein, wenn es darum geht, junge Menschen in Entscheidungspositionen zu bringen. Leistung, Eigenverantwortung und Chancengerechtigkeit gehören zum Kern liberaler Ideen. Doch genau diese Prinzipien müssen sich auch in den eigenen Strukturen widerspiegeln. Junge Menschen brauchen keine Alibi-Positionen oder Quoten, sondern echte Chancen, sich durch Kompetenz zu beweisen.
Die Verantwortung dafür liegt bei den Parteien. Es ist ihre Aufgabe, junge Talente aufzustellen und ihnen realistische Chancen auf Mandate zu geben. Besonders in kleinen Parteien und Strukturen hält sich jedoch oft eine Kultur der Besitzstandswahrung. Wer einmal einen Posten hat, gibt ihn nicht mehr her – sei es aus Prestige, Macht oder schlicht aus Gewohnheit. Dabei wäre genau hier Veränderung nötig: Dynamik statt Verharren, Erneuerung statt Stillstand.
Es braucht eine Kultur des Ermöglichens
Das Problem ist nicht, dass junge Menschen sich nicht einbringen wollen – das Problem ist, dass sie oft ausgebremst werden. Die politische Realität ist geprägt von Seilschaften, internen Absprachen und einem Beharrungsvermögen, das Veränderungen blockiert. Anstatt frischen Köpfen Verantwortung zu übertragen, setzt man lieber auf die immer gleichen Gesichter. Das muss sich ändern.
Gleichzeitig braucht es auch eine neue Haltung der älteren Generation in der Politik. Allzu oft begegnet man dem Reflex „Früher war alles besser“, statt Offenheit für neue Ideen und Methoden zu zeigen. Politik ist kein statisches System, sondern ein stetiger Prozess der Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen. Wer immer nur auf vergangene Erfolge verweist, verschließt sich vor der Realität. Eine erfolgreiche politische Zusammenarbeit braucht deshalb Lernbereitschaft auf beiden Seiten: Junge Menschen müssen bereit sein, von der Erfahrung der Älteren zu profitieren, aber genauso müssen ältere Politiker bereit sein, neue Impulse aufzunehmen.
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es in der Politik nicht reicht, gute Ideen zu haben. Man muss kämpfen, sich behaupten und die eigenen Ziele konsequent verfolgen. Aber es braucht auch eine Bereitschaft der älteren Generation, Platz zu machen und junge Talente nicht nur als nette Dekoration für Wahlkampfveranstaltungen zu betrachten.
Fazit: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt
Die junge Generation ist nicht nur „die Zukunft“ – sie ist längst Teil der Gegenwart. Sie entwickelt Technologien, betreibt Wissenschaft, verändert Unternehmensstrukturen und setzt Impulse in Kunst und Kultur. Es gibt keinen rationalen Grund, sie aus politischen Entscheidungsprozessen auszuschließen.
Parteien müssen sich fragen: Wollen sie die besten Köpfe fördern – oder einfach nur die ältesten? Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, muss sie auch in den eigenen Reihen leben. Der richtige Zeitpunkt für junge Stimmen in der Politik ist nicht irgendwann – er ist genau jetzt.
Die Aufgabe ist klar: Junge Menschen müssen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich nicht entmutigen lassen. Und die ältere Generation muss bereit sein, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln. Wer von Eigenverantwortung spricht, muss sie auch ermöglichen. Politik lebt vom Wettbewerb der besten Ideen – und die gibt es in jeder Generation.

Dominik Rauth
Dominik Rauth ist Referent für den Finanzplatz, Startups, Innovation und Internationales im Wirtschaftsdezernat der Stadt Frankfurt am Main. Zudem ist er Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Frankfurt und im Kreisvorstand der FDP Frankfurt. Er engagiert sich für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und die Förderung von Innovationen.



