Sondervermögen oder privates Kapital? Zukunftsperspektive auf eine marktwirtschaftliche Modernisierung der Infrastruktur

LP 1/2025 |Alexander Hobert und Jonas Marmulla

Eine liberale Wirtschaftspolitik bietet vielversprechende Lösungsansätze für die Modernisierung der Infrastruktur. Diese können als Gegenentwurf zu staatlichen Sondervermögen und Direktinvestitionen fungieren. Wir werfen einen Blick darauf, wie private Investitionen und marktorientierte Anreize den Fortschritt in der Energiewende beschleunigen könnten.

Ziele und Herausforderungen der Energiewende

Die Energiewende umfasst die Weiterentwicklung einer Reihe von Bereichen, welche von der Dekarbonisierung über die Wärme- bis hin zur Mobilitätswende und Digitalisierung der Infrastruktur reichen. Diese erfordern umfassende Investitionen und Ressourcen:

  • Materiell: Ausbau der Erneuerbaren Energien, Modernisierung der Netze und Integration neuer Technologien wie Fernwärmenetze oder digitale Netzlösungen.
  • Personell: Drastischer Fachkräftemangel – laut IW Köln fehlen allein in der Solar- und Windbranche 216.000 Fachkräfte. [1]
  • Finanziell: Prognosen gehen von einem Investitionsbedarf bis zu 683 Mrd. Euro bis 2045 allein für den Stromnetzausbau aus. [2]

Konkret handelt es sich bei materiellen Ressourcen um Betriebsmittel wie Stromkabel oder Fernwärmeleitungen, die im Boden zu installieren sind. Neben neuen Technologien und den genannten materiellen Ressourcen sind jedoch auch substanzielle Mengen an Personal erforderlich.

Im Personalbereich sind vielfältige Qualifikationen gefragt. Neben Handwerkern, Technikern und Ingenieuren werden auch Fachkräfte im Projektmanagement sowie in der Unternehmensführung benötigt. Für die betriebswirtschaftliche Planung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten ist die Einbindung zusätzlicher Experten erforderlich, um die Kapitalbeschaffung zu gewährleisten. Erforderlich sind daher Fachwissen, analytisches Know-how, unternehmerische Schaffenskraft und Umsetzungskompetenz nötig. Diese personellen und materiellen Ressourcen beanspruchen den oben genannten Finanzbedarf, der allein viele Energieversorger, z. B. Stadtwerke, vor große Herausforderungen stellen wird.

Parallel dazu belasten steigende Zinssätze und schrumpfende Eigenkapitalquoten kommunale Energieversorger, da die Summe aus Zins- und Tilgungszahlungen weniger finanziellen Spielraum für Investitionen lässt. Hinzu kommen vermehrte Berichtspflichten und bürokratische Auflagen, welche die Effizienz weiter reduzieren.

Um die Effekte aus dem reduzierten finanziellen Spielraum und der erhöhten Bürokratie zu lösen bzw. zu überkompensieren, kann es sinnvoll sein, private Investoren zu beteiligen. Diese können Projekte mittels Fremdkapitals meist besser finanzieren und selbst dringend benötigtes Eigenkapital in die Projekte einbringen. Somit würde den Versorgungsunternehmen Kapital, welches nicht aus eigenen Zahlungsströmen erwirtschaftet werden muss, für Projekte zur Verfügung stehen. Dies unterstreicht die Chancen alternativer Finanzierungsstrategien. Wie diese Lösungsstrategie operativ umgesetzt und konkret ausgestaltet werden kann, wird im nächsten Abschnitt genauer beleuchtet.

Die Rolle privater Investoren als Lösung

Private Investoren – sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalgeber – können durch gezielte Co-Investments eine Schlüsselrolle bei der Modernisierung der Infrastruktur einnehmen.

Der Ausbau von Solar- und Windenergie im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zeigt eindrucksvoll das Potenzial marktorientierter Anreizsysteme. Ähnliche Mechanismen könnten auch bei Infrastrukturprojekten – etwa im Strom- und Wärmenetzbereich – erfolgreich zur Anwendung kommen. Beide Bereiche weisen vergleichbare Anforderungen auf, wie etwa komplexes Projektmanagement und die Koordination zahlreicher Stakeholder.

In Zusammenarbeit mit einem städtischen Versorger könnte dies folgendermaßen aussehen: Der Versorger definiert die abzuarbeitenden Projekte durch eine Langfristplanung (oft als „Zielnetzplanung“ bezeichnet) und private Akteure kümmern sich um Arbeiten, die der Versorger outsourcen möchte (z. B. Projektfinanzierung). [3]

Die auszulagernden (Teil-)Projekte orientieren sich an den drei oben genannten Punkten: Material, Personal und Finanzmittel. Die konkreten Vorteile von privaten Investoren sind folgende:

  • Effizienz: Investoren orientieren sich an klaren Rendite- und Effizienzvorgaben. Projekte müssen budget- und termingerecht abgeschlossen werden.
  • Netzwerke und Know-how: Finanzinvestoren bringen globale Netzwerke und Expertise im Management von Großprojekten mit. Besonders kleinere Energieunternehmen profitieren von dieser Unterstützung.
  • Kapitalquellen erschließen: Eine gezielte, durch Anreize forcierte Umlenkung von Kapital innerhalb der Assetklasse Infrastruktur hin zu europäischen Infrastrukturprojekten könnte den Ausbau entscheidend voranbringen und langfristige Entwicklungschancen eröffnen.

Die genannten Vorteile privater Investoren sind allerdings nicht uneingeschränkt nutzbar. Hierfür sind, anders als die aktuelle Wirtschaftspolitik vermuten lässt, nicht die Höhe der Sondervermögen der Schlüssel , sondern konkrete wirtschaftspolitische Reformen. Diese Reformen beinhalten unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Anreize schaffen: Steuererleichterungen oder spezielle Abschreibungsmodelle können private Investitionen in Infrastrukturprojekte fördern.
  • Internationaler Austausch: Freier Zugang zu qualifiziertem Humankapital erhöht die Umsetzungskompetenz.
  • Effizienzsteigerung: Wegfall starrer Ausschreibungsmechanismen zugunsten einer flexiblen, marktbasierten Herangehensweise.

Um die Entwicklung privater Investoren im Infrastrukturbereich zu veranschaulichen, kann eine Studie von Pitchbook herangezogen werden. [4] Die zentralen Ergebnisse sind in Abbildung 1 dargestellt. Sie zeigen einen deutlichen wachsenden Trend hin zur Assetklasse Infrastruktur in den letzten 10 Jahren.

Abbildung 1 – Von Investoren eingesammeltes Eigenkapital für Infrastruktur [4]

Abbildung 1 visualisiert die für Eigenkapitalinvestitionen eingesammelte Menge an Kapital für die Assetklasse „Infrastruktur“ – sowohl das jährlich investierte Kapital (linke Achse) als auch die kumulierte Summe (rechte Achse).

Es wird deutlich, dass die Investitionen kontinuierlich steigen bis auf die Jahre 2023 und 2024 aufgrund des Russland-Ukraine-Konflikts. Im Jahr 2024 beliefen sich die kumulierten Investitionen auf ca. 1,24 Billionen US-Dollar und es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Diese 1,24 Billionen US-Dollar repräsentieren die Summe aller Investmentfondprodukte, die dezidiert in das Eigenkapital der Assetklasse Infrastruktur investieren.

Berücksichtigt man zudem private Investitionen in Fremdkapital sowie Finanzierungen durch Banken, ist die tatsächlich verfügbare Kapitalmenge weitaus höher.

Geht man von einem Eigen-Fremdkapital-Verhältnis von 30:70 (ungefährer Branchendurchschnitt) aus, würde dies bedeuten, dass bei etwa 1,24 Billion US-Dollar Eigenkapitalinvestitionen noch zweieinhalb bis drei Billionen US-Dollar Fremdkapital für Infrastrukturprojekte zur Verfügung stehen.

Hierbei ist nur das Eigenkapital in Infrastrukturfonds und das Fremdkapital finanzierender Banken berücksichtigt. Eigenkapital aus den Bilanzen der Versorgungsunternehmen oder anderer strategischer Infrastruktur Investoren bilden eine weitere Kapitalbasis.

Fazit

Die Modernisierung der Infrastruktur zählt zu den dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit. Statt ineffiziente Sondervermögen zu schaffen, sollten klare Rahmenbedingungen private Investitionen fördern. Kapital folgt den richtigen Anreizen – wie der Erfolg des Wind- und Solarenergieausbaus in Deutschland zeigt.

Investoren lassen sich durch Anreize gezielt aktivieren, sofern ein attraktives Rendite-Risiko-Profil geboten wird. Eine liberale Wirtschaftspolitik sollte nicht nur Kapital bereitstellen, sondern auch die effiziente Nutzung dieser Ressourcen sicherstellen. Flexible, marktorientierte Ansätze könnten den Weg für eine nachhaltige und leistungsfähige Infrastruktur ebnen.

Der Markt für Finanzprodukte und die Nachfrage von Investoren nach Infrastrukturprojekten sind groß – wie in Abbildung 1 gezeigt wird. Gleichzeitig müssen die Herausforderungen des neuen Zinsumfeldes beachtet werden. Nicht nur wird Fremdfinanzierung für Infrastrukturprojekte teurer, sondern auch konkurrierende Assetklassen wie Anleihen werden für institutionelle Investoren wieder attraktiver.

Es wird deutlich, dass ein wirtschaftsliberaler Ansatz das Problem in zweifacher Hinsicht entschärft. Zum einen Effizienzvorteile in der Projektumsetzung und ein Zugang zu einer Kapitalbasis, um diese zu finanzieren.

Hierdurch entsteht ein liberaler Gegenentwurf zu einem sogenannten Sondervermögen, welches eigentlich Sonderschulden sind. Eine konkrete Ausformulierung der Ansätze steht noch aus, sollte jedoch zentraler Bestandteil eines liberalen Sanierungsprogramms sein.

Quellen

[1] Filiz Koneberg, Anika Jansen, Vico Kut, „KOFA: Energie aus Wind und Sonne Welche Fachkräfte brauchen wir?“, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V, Köln, 2022.

[2] Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Langfristszenarien 3, München, 2024.

[3] Wintzek, P.; Ali, S. A.; Monscheidt, J.; Gemsjäger, B.; Slupinski, A.; Zdrallek, M.: Planungs‐und Betriebsgrundsätze für städtische Verteilnetze – Leitfaden zur Ausrichtung der Netze an ihren zukünftigen Anforderungen. In: Zdrallek, M. (Hrsg.), Neue Energie aus Wuppertal, Band 35, Wuppertal, 2021.

[4] Hilary Wiek, Anikka Villegas, Kyle Stanford et. al., „Annual Global Private Market Fundraising Report“, PitchBook, 2025.

Dr. Alexander Hobert

Dr. Alexander Hobert

Dr. Alexander Hobert ist seit 2010 in der Energiewirtschaft tätig – erst in Forschung und Lehre, später als Berater. Er unterstützt Netzbetreiber, Energieversorger und Politik mit Fokus auf Verteilnetze und Wärmekonzepte. Zudem engagiert er sich im Landesfachausschuss Energie und Klima der NRW-FDP und als Beisitzer im Vorstand der FDP-Wuppertal.

Verband liberaler Akademiker

Neuesten Artikel der Liberalen Perspektiven

  • Präses Alexander BagusVLA
    Editorial Alexander Bagus27. Mai 2024 - 14:00in: 1-2024, Liberale Perspektiven
  • Chefredakteurin Liberale Perspektiven Britta LübckeBritta Lübcke
    Editorial Britta Lübcke27. Mai 2024 - 13:59in: 1-2024, Liberale Perspektiven
  • Eine ganz persönliche Ansicht von Einem der auszog von Wolf B. ReuterWolfgang B. Reuter
    Über den großen Teich und zurück27. Mai 2024 - 13:58in: 1-2024, Liberale Perspektiven
  • Sabine Leutheusser-SchnarrenbergerSabine Leutheuser-Schnarrenberger
    Antisemitismus geht uns alle an27. Mai 2024 - 13:57in: 1-2024, Liberale Perspektiven
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages und jüngst auch liberale Spitzenkandidatin für Europa am 1. März dieses Jahres bei einer Veranstaltung der LHG Bonn.Anna Heimann
    Mehr miteinander reden!27. Mai 2024 - 13:56in: 1-2024, Liberale Perspektiven

Zurück zum/zur:

Impressum Liberale Perspektiven 

Startseite Liberale Perspektiven

Startseite Verband Liberaler Akadamiker

 

© Copyright - Verband Liberaler Akademiker 2024 - powered by Enfold WordPress Theme
  • Link zu Facebook
  • Link zu Instagram
Link to: Zwischen Theorie und Praxis Warum der Liberalismus sein ideologisches Fundament braucht Link to: Zwischen Theorie und Praxis Warum der Liberalismus sein ideologisches Fundament braucht Zwischen Theorie und Praxis Warum der Liberalismus sein ideologisches Fundament... Link to: World: A Familiy History von Simon Sebag Montefiore Link to: World: A Familiy History von Simon Sebag Montefiore World: A Familiy History von Simon Sebag Montefiore
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

COOKIES SIND LECKER! Damit die Webseite Ihnen weiterhin die Informationen bietet, die Sie faszinieren, freuen wir uns, wenn Sie uns erlauben, zusätzlich zu den technisch notwendigen Cookies, Analyse-Cookies zu nutzen. Denn die Cookies helfen uns, unsere Webseite zu verbessern. Also greifen Sie zu! Die Webseite ist auch ohne Ihre Einwilligung voll funktionsfähig. Ihnen steht jederzeit ein Widerrufsrecht zu. Dieses nehmen Sie war, indem Sie die entsprechenden Kategorien in den Cookie-Einstellungen deaktivieren. Den Link zu den Cookie-Einstellungen & weitere Informationen finden Sie unter „Einstellungen“ und in der Datenschutzerklärung. Durch klicken auf „JA, BIN DABEI“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir die vorgenannten Cookies zu Analyse-Zwecken setzen und damit unser Angebot verbessern. Durch das Klicken auf den Button „Änderungen bestätigen“ können Sie Ihre Auswahl der Cookie-Kategorien und anderer technischer Systeme selbst festlegen.

×

Cookie- und Datenschutzeinstellungen



Wie wir Cookies verwenden

Wir können Cookies anfordern, die auf Ihrem Gerät eingestellt werden. Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wenn Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, Ihre Nutzererfahrung verbessern und Ihre Beziehung zu unserer Website anpassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorienüberschriften, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Ihrer Einstellungen ändern. Beachten Sie, dass das Blockieren einiger Arten von Cookies Auswirkungen auf Ihre Erfahrung auf unseren Websites und auf die Dienste haben kann, die wir anbieten können.

Notwendige Website Cookies

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Da diese Cookies für die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen unbedingt erforderlich sind, hat die Ablehnung Auswirkungen auf die Funktionsweise unserer Webseite. Sie können Cookies jederzeit blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und das Blockieren aller Cookies auf dieser Webseite erzwingen. Sie werden jedoch immer aufgefordert, Cookies zu akzeptieren / abzulehnen, wenn Sie unsere Website erneut besuchen.

Wir respektieren es voll und ganz, wenn Sie Cookies ablehnen möchten. Um zu vermeiden, dass Sie immer wieder nach Cookies gefragt werden, erlauben Sie uns bitte, einen Cookie für Ihre Einstellungen zu speichern. Sie können sich jederzeit abmelden oder andere Cookies zulassen, um unsere Dienste vollumfänglich nutzen zu können. Wenn Sie Cookies ablehnen, werden alle gesetzten Cookies auf unserer Domain entfernt.

Wir stellen Ihnen eine Liste der von Ihrem Computer auf unserer Domain gespeicherten Cookies zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen können wie Ihnen keine Cookies anzeigen, die von anderen Domains gespeichert werden. Diese können Sie in den Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers einsehen.

Andere externe Dienste

Wir nutzen auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten von Ihnen speichern, können Sie diese hier deaktivieren. Bitte beachten Sie, dass eine Deaktivierung dieser Cookies die Funktionalität und das Aussehen unserer Webseite erheblich beeinträchtigen kann. Die Änderungen werden nach einem Neuladen der Seite wirksam.

Google Webfont Einstellungen:

Google Maps Einstellungen:

Google reCaptcha Einstellungen:

Vimeo und YouTube Einstellungen:

Datenschutzrichtlinie

Sie können unsere Cookies und Datenschutzeinstellungen im Detail in unseren Datenschutzrichtlinie nachlesen.

Datenschutzerklärung
JA, BIN DABEI!ABLEHNEN