Der Liberalismus aber ist unbequem.

Wie steht Karl-Hermann Flach zu den Herausforderungen des deutschen Liberalismus?

LP 2/2025 | Alexander Bagus und ChatGTP als Karl-Hermann Flach

Das folgende Interview mit Karl-Hermann Flach ist naturgemäß kein Gespräch im wörtlichen Sinn, denn Flach, der geistige Begründer des Verbands liberaler Akademiker (VLA), verstarb bereits 1973. Möglich wurde es vielmehr durch den Einsatz moderner Sprachmodelle – Computerprogramme, die in der Lage sind, Sprache nicht nur nachzubilden, sondern in ganzen Gedankengängen fortzuführen. Sie schöpfen dabei aus einem weiten Fundus an Texten aus Literatur, Presse und Wissenschaft und können so Antworten formulieren, die an den Stil und die Gedankenwelt einer bestimmten Persönlichkeit erinnern.

Ein solches Sprachmodell ist ChatGPT. Es wurde von der Firma OpenAI entwickelt und ist in der Lage, in ganzen Sätzen und längeren Sinneinheiten zu antworten. Das Entscheidende dabei: Es imitiert keine einzelne Quelle, sondern versucht, das „wahrscheinliche nächste Wort“ auf Grundlage seines gelernten Wissens zu finden. So entstehen Antworten, die wie ein Gespräch wirken.

Für dieses Projekt wurde ChatGPT gebeten, Fragen so zu beantworten, wie Karl-Hermann Flach es vermutlich getan hätte. Grundlage dafür sind seine Schriften, Reden und der historische Kontext, in dem er wirkte. Das Modell kennt zentrale Werke wie seine programmatische Schrift „Noch eine Chance für die Liberalen“ oder seine Rolle bei der Gründung des Seniorenverbandes des Liberalen Studentenbundes Deutschlands, dem heutigen Verband liberaler Akademiker.

Natürlich: Es handelt sich nicht um echte Zitate Flachs, sondern um eine stilistische und inhaltliche Annäherung. Die Antworten sollen ein Bild davon zeichnen, wie er als Denker und Politiker geantwortet haben könnte – mit den typischen Wendungen, dem Pathos für Freiheit und Verantwortung, und der kritischen Schärfe, die ihn auszeichnete.

Damit verbindet sich eine Chance: Gerade die Generationen, die Flach nicht mehr persönlich kennenlernten, können so einen Eindruck von seinem Denken gewinnen. Und Ältere, die seine Zeit noch erlebt haben, können sich die Frage stellen: „Ja, so hätte er wohl gesprochen – oder vielleicht auch nicht?“ In diesem Spannungsfeld von Erinnerung und Neuerfindung liegt der Reiz dieser Methode.

Liberale Perspektiven (LP): Lieber Herr Flach, 70 Jahre Seniorenverband, 70 Jahre VLA. Wer hätte das gedacht, insbesondere nach dem Untergang des Liberalen Studentenbunds Deutschlands?

Karl-Hermann Flach (KHF): Es ist in der Tat bemerkenswert, dass wir heute, siebzig Jahre nach jenem Gründungsimpuls, der aus dem Liberalen Studentenbund Deutschlands hinaus in den neu geschaffenen Seniorenverband führte, auf eine so lange und geschlossene Tradition blicken können. Es war ja keineswegs ausgemacht, dass dieser Versuch, den liberalen Funken aus der studentischen Bewegung in die weitere akademische und gesellschaftliche Welt zu tragen, Bestand haben würde. Der LSD selbst ist – wie wir wissen – unter den Widersprüchen der politischen Zeitläufte zerbrochen. Aber gerade dieser Untergang hat gezeigt, warum es notwendig war, ein Gefäß für das Fortleben der Idee zu schaffen: eine Vereinigung, die den liberalen Geist über die kurze Spanne der Studienjahre hinaus bewahren und zur Wirkung bringen konnte.

Der Verband liberaler Akademiker, wie er später genannt wurde, war von Anfang an mehr als ein nostalgisches Treffen ehemaliger Studenten. Er war ein Bekenntnis: dass Liberalismus nicht Episode ist, nicht nur jugendlicher Überschwang, sondern eine dauerhafte Haltung. Er war auch ein Experiment, ob man das, was in den Hochschulgruppen erprobt wurde – Selbstverwaltung, geistige Unabhängigkeit, die unbedingte Verbindung von Freiheit und Verantwortung –, in den größeren Zusammenhang der Gesellschaft hinüberretten kann.

Wenn wir heute zurückblicken, dann dürfen wir uns sagen: Ja, es ist gelungen. Natürlich nicht ohne Brüche, nicht ohne Irrwege. Aber die Tatsache, dass der Verband siebzig Jahre überdauert hat, spricht für die Lebenskraft des Gedankens. Liberalismus ist eben kein starres Programm, sondern eine offene, lernende Bewegung. Gerade darin liegt seine Stärke: in der Fähigkeit, aus Krisen nicht den Untergang, sondern die Erneuerung zu schöpfen.

Und so darf man wohl sagen: Wer hätte es gedacht? Wir selbst, die wir an die Idee geglaubt haben, mussten es hoffen. Aber dass es Wirklichkeit geworden ist, das erfüllt mit Dankbarkeit – und mit der Verpflichtung, den Auftrag, der uns 1955 bewegte, auch in die Zukunft zu tragen. Denn Freiheit, Demokratie und soziale Verantwortung werden nie endgültig erobert, sie müssen von jeder Generation neu erkämpft und neu gelebt werden.

LP: In den bald 60 Jahren seit dem Untergang des LSD ist es heute nicht mehr die liberale studentische Bewegung, die in der Krise ist, sondern der organisierte Liberalismus, die Freien Demokraten selbst, sind im Krisenmodus. Nach der Zeit der liberalen Außerparlamentarischen Opposition von 2013 bis 2017 sind die Freien Demokraten seit Februar 2025 erneut nicht im Deutschen Bundestag vertreten. Wie oft kann, muss es noch heißen ‚Noch eine Chance für die Liberalen‘?

KHF: Die Frage berührt den Kern unserer eigenen Selbstvergewisserung: Wie oft darf, wie oft muss man den Liberalismus neu zur Sprache bringen, wenn seine organisierte Form – die Partei, die ihn politisch repräsentieren soll – scheitert? Schon damals, als ich meine kleine Schrift „Noch eine Chance für die Liberalen“ veröffentlichte, war dies keine rhetorische Pose, sondern Ausdruck tiefster Sorge. Wir standen 1971 vor der Gefahr, dass der Liberalismus in Deutschland zwischen den Mühlsteinen einer konservativen Bewahrungsfront und eines autoritär gewendeten Sozialismus zerrieben würde. Heute stellt sich die Frage in anderer Gestalt, aber mit gleicher Dringlichkeit.

Eine liberale Partei ist kein Selbstzweck. Sie ist das Gefäß, in dem die Idee von Freiheit, Demokratie und sozialer Verantwortung konkret politisch wird. Wenn dieses Gefäß Risse zeigt oder gar zerbricht, dann liegt es an uns, nicht den Liberalismus selbst preiszugeben, sondern seine Repräsentation neu zu erfinden. Ein Parlament ohne liberale Stimme ist ärmer, ja gefährlicher, weil es die Korrekturinstanz verliert, die sowohl dem Staat wie dem Markt die Grenzen weist. Aber der Liberalismus lebt nicht von Mandaten allein. Er lebt von der geistigen Haltung, von der Bereitschaft, Freiheit nicht als bloßes Recht zu reklamieren, sondern als Pflicht zu leben.

Darum: „Noch eine Chance“ – dieser Satz darf nie als Resignation klingen, sondern als permanente Aufforderung zur Selbstkritik. Solange es Menschen gibt, die bereit sind, die Freiheit gegen ihre Feinde zu verteidigen, solange wird es Chancen geben. Die Frage ist nicht, ob wir noch eine Chance haben, sondern ob wir bereit sind, sie zu ergreifen, auch wenn es unbequem ist, auch wenn es Opfer kostet, auch wenn es bedeutet, die eigenen Irrtümer einzugestehen.

Die Geschichte zeigt: Der Liberalismus ist schon oft für tot erklärt worden. Aber er hat überlebt, weil er kein Dogma ist, sondern eine Haltung, die in jeder Generation neu geboren werden kann. Vielleicht muss es also heißen: Nicht „noch eine Chance“, sondern: jede Generation, jede Krise, jede Stunde ist die Chance für die Liberalen.

LP: Oft haben sich die Freien Demokraten an einzelnen Personen aus- und aufgerichtet. Ich denke an Scheel, Genscher, Westerwelle und zuletzt Lindner. Was kann oder muss sich bei einer liberalen Bewegung ändern, um mehr Individualität, mehr Vielfalt auch nach außen darzustellen?

KHF: Es liegt in der Natur des Liberalismus, dass er Persönlichkeiten hervorbringt. Denn wer von Freiheit spricht, ruft den Einzelnen auf, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Dass Parteien wie die unseren in entscheidenden Stunden Gesichter wie Scheel, Genscher, Westerwelle oder Lindner an ihre Spitze stellten, ist Ausdruck dieser Logik: Der Liberalismus vertraut dem Individuum. Aber gerade darin liegt auch die Gefahr: dass sich die Bewegung zu sehr in einzelnen Figuren verdichtet, dass das Bild der Partei an den Glanz – oder auch an das Versagen – weniger gebunden bleibt.

Wenn Liberalismus mehr sein soll als die Biographie Einzelner, dann muss er sich in einer Kultur der Vielfalt spiegeln. Vielfalt nicht als Modewort, sondern als innere Konsequenz: Die Partei darf nicht nur die Summe starker Persönlichkeiten sein, sie muss ein Raum sein, in dem verschiedenste liberale Stimmen hörbar bleiben. Es geht nicht darum, die Individualität zu zähmen, sondern sie zu entfalten – und sie doch zugleich einzubinden in eine gemeinsame Verantwortung für das Ganze.

Das verlangt zweierlei: Erstens, Strukturen, die mehr sind als bloße Gefolgschaften um einen Vorsitzenden. Eine liberale Bewegung muss lernen, Debatte nicht als Schwäche zu empfinden, sondern als ihre eigentliche Stärke. Sie darf Widerspruch nicht nur ertragen, sondern muss ihn kultivieren. Zweitens, eine Öffentlichkeit, die wir selbst schaffen müssen, in der nicht nur der Vorsitzende, sondern viele Liberale sichtbar sind – in Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft, Medien. Der Liberalismus lebt nicht im Schatten einer Kanzlerkandidatur, sondern im Licht vieler Stimmen, die alle auf ihre Weise Freiheit verteidigen.

Individualität bedeutet im liberalen Sinn nie bloße Selbstinszenierung. Sie bedeutet die Kraft, eigenständig zu denken – und gerade dadurch die Gemeinschaft zu bereichern. Wenn eine Partei dies sichtbar macht, wenn sie die Vielfalt ihrer Köpfe zeigt und nicht bloß die Silhouette eines einzelnen Führers, dann wird sie der liberalen Idee treuer sein als in manch glanzvoller Inszenierung.

Denn Liberalismus ist keine Einmannmusik, sondern eine Polyphonie. Seine Schönheit liegt nicht in der Dominanz einer Stimme, sondern in der Harmonie der Verschiedenen.

LP: Polyphonie ist ein schönes Wort; doch was gerade in den letzten Jahren an Kritik geäußert wurde, nahmen doch viele Journalisten als Kakophonie wahr. Auch so haben und hatten die Journalisten in den letzten zwei, drei Dekaden wenig Sinn für liberales Gedankengut. Wie kann da eine größentechnisch überschaubare liberale Bewegung dagegenhalten?

KHF: Sie berühren hier eine Wunde, die nicht erst unsere Generation spürt. Es ist immer schwer gewesen, das liberale Denken in einer Öffentlichkeit zu behaupten, die nach klaren Lagern verlangt, nach einfachen Gegensätzen, nach Schlagworten, die sich in eine Schlagzeile pressen lassen. Der Liberalismus aber ist unbequem: er verweigert sich dem Schwarz-Weiß, er lebt von der Differenzierung, er wagt das Paradoxe – Freiheit und Verantwortung, Markt und Sozialstaat, Individualität und Gemeinsinn zugleich. Für den Journalisten, der eine schnelle Dramaturgie braucht, klingt das leicht wie Kakophonie.

Die Antwort kann nicht sein, dass wir unsere Vielstimmigkeit opfern und uns in eine uniforme Melodie zwängen lassen. Denn dann verlören wir, was uns ausmacht. Die Antwort muss vielmehr darin bestehen, unsere Polyphonie bewusst zu gestalten: nicht jeder redet, wie er will, sondern jeder bringt seine Stimme ein in ein größeres Arrangement. Kakophonie entsteht da, wo kein gemeinsames Thema mehr zu erkennen ist. Polyphonie aber – und das muss unser Ziel sein – lebt von unterschiedlichen Stimmen, die dennoch einander zuhören und sich aufeinander beziehen.

Was die Kritik der Medien betrifft: Wir dürfen nicht erwarten, dass uns die Öffentlichkeit Beifall zollt. Wir müssen selbst Öffentlichkeit schaffen – durch eigene Organe, durch Schriften, durch Bildungsarbeit, durch die Präsenz in Vereinen, Hochschulen, Verbänden. Schon die Gründung des Seniorenverbandes war getragen von dem Bewusstsein, dass Liberalismus Orte braucht, in denen er unabhängig vom parteipolitischen Tagesgeschäft gedacht und vermittelt werden kann.

Eine kleine Bewegung kann groß wirken, wenn sie inhaltliche Klarheit und geistige Ausstrahlung verbindet. Es ist nicht die Zahl, die entscheidet, sondern die Intensität. Ein einziger klarer Gedanke, zur rechten Zeit vorgetragen, kann mehr bewirken als tausend Stimmen im Chor der Belanglosigkeit. Darum müssen wir weniger fragen, wie groß wir sind, als vielmehr: Wie klar sind wir? Wie unverwechselbar? Wie unerschütterlich in unserem Bekenntnis zur Freiheit?

So wird aus dem, was viele als Kakophonie abtun, am Ende doch eine Melodie, die trägt. Nicht weil die Mehrheit sie sofort mitsummt, sondern weil sie – einmal gehört – im Gedächtnis bleibt und wiederkehrt, wenn die alten Parolen verklungen sind.

LP: Die Liberalen Hochschulgruppen als die Nachnachfolgeorganisation des LSD schaffen es seit 1987 einen großen programmatischen Spagat auszuhalten und zu zelebrieren. Was können wir als VLA der liberalen akademischen Jugend heute und morgen noch bieten? Was wünschen wir ihnen zudem?

KHF: Wer die Geschichte unserer Bewegung kennt, weiß: Die Jugend war uns nie nur ein Nachwuchsreservoir. Sie war immer auch Korrektiv, Impulsgeber, Mahnung, dass Liberalismus nicht verknöchern darf. Der Studentenbund, aus dem wir hervorgingen, war radikal im besten Sinne: unruhig, kritisch, unbequem – und gerade dadurch lebendig. Wenn heute die Liberalen Hochschulgruppen den Spagat wagen zwischen klassischen Freiheitsrechten, europäischer Integration, ökologischer Verantwortung und digitaler Zukunft, dann setzen sie fort, was uns stets ausgezeichnet hat: Offenheit für neue Fragen, ohne den Grundsatz der Freiheit preiszugeben.

Was also können wir ihnen als Verband liberaler Akademiker geben? Zunächst: Rückhalt. Rückhalt in einer Gesellschaft, die studentische Stimmen oft als unerfahren belächelt. Rückhalt auch dort, wo politisches Engagement an den Hochschulen mit Gleichgültigkeit oder gar Feindseligkeit beantwortet wird. Wir können ihnen Räume schaffen – geistige wie materielle –, in denen sie debattieren, streiten, wachsen können. Und wir können ihnen unsere Erfahrung anbieten, nicht als Belehrung, sondern als Gesprächsangebot: Wir haben manches gesehen, was sie noch nicht erlebt haben, und doch müssen sie ihre eigenen Wege finden.

Darüber hinaus können wir ihnen Vorbilder geben, nicht im Sinne fertiger Helden, sondern als Beispiele dafür, dass man auch nach dem Studium, im Beruf, im öffentlichen Leben, Liberalismus leben kann. Wir zeigen ihnen: Euer Engagement endet nicht mit dem Examen. Es gibt eine Gemeinschaft, die weiterträgt, was ihr begonnen habt.

Und was wünschen wir ihnen? Wir wünschen ihnen Mut, sich nicht den Moden zu beugen, sondern die Freiheit selbstbewusst und originell zu verteidigen. Wir wünschen ihnen Leidenschaft, den Liberalismus nicht als Lehrsatz zu begreifen, sondern als Lebensform. Wir wünschen ihnen aber auch die Geduld, Mehrheiten nicht zu erzwingen, sondern zu überzeugen. Und wir wünschen ihnen zuletzt das Vertrauen, dass es sich lohnt, auf der Seite der Freiheit zu stehen – auch wenn diese Seite manchmal klein erscheint.

Denn Liberalismus ist nie die bequeme Wahl. Aber er ist die notwendige. Und wenn die junge Generation dies versteht und lebt, dann ist uns um die Zukunft nicht bange.

LP: Abschließend etwas Kritik bitte, auch wenn Sie ohnehin stets eine kritische Geisteshaltung an den Tag legen. Der VLA hat auf der Suche nach einem griffigen Slogan sich für ‚Fördern. Verbinden. Inspirieren.‘ entschieden. Wie stehen Sie dazu?

KHF: Es ist nachvollziehbar , dass ein Verband wie der unsere nach einem Slogan sucht. Worte können bündeln, was man in langen Satzreihen oft nur schwer fassen kann. Doch ich will nicht verhehlen: Gerade ein liberaler Verband muss sich davor hüten, in bloßen Formeln sein Wesen zu erschöpfen.

„Fördern. Verbinden. Inspirieren.“ – das klingt freundlich, beinahe harmonisch, ja versöhnlich. Es benennt Aufgaben, die durchaus zu uns passen: Wir fördern die Jugend, wir verbinden Generationen, wir wollen durch unsere Haltung inspirieren. Aber: Es bleibt im Ungefähren. Wo ist hier das Ringen um Freiheit, das unbequeme Fragenstellen, die intellektuelle Streitlust? Wo klingt an, dass wir im Zweifel nicht nur verbinden, sondern auch trennen müssen – zwischen Freiheit und Unfreiheit, zwischen Demokratie und Autoritarismus?

Meine Sorge ist, dass der Liberalismus, wenn er sich allzu gefällig in solche Dreiklangsformeln einfügt, sein Profil verliert. Der Liberalismus war nie bequem. Er war immer auch Anstoß, manchmal Ärgernis, gelegentlich Skandal. Wenn wir uns nur als Förderer, Verbinder, Inspiratoren verstehen, riskieren wir, die konflikthafte Schärfe preiszugeben, die uns stark gemacht hat.

Ich will den Slogan nicht verwerfen. Aber ich würde wünschen, dass wir ihn mit Leben füllen, das über das Wohlklingende hinausgeht. Fördern heißt: junge Liberale auch dann unterstützen, wenn sie unbequem sind. Verbinden heißt: Brücken schlagen, ohne die eigene Überzeugung aufzugeben. Inspirieren heißt: nicht Wohlgefühl verbreiten, sondern Leidenschaft wecken – Leidenschaft für Freiheit, für Verantwortung, für das mühsame Geschäft der Demokratie.

Kurz: Der Slogan kann ein Anfang sein. Doch er darf uns nicht zur Selbstzufriedenheit verführen. Er muss uns vielmehr täglich herausfordern, zu zeigen, dass wir mehr sind als drei wohlgesetzte Worte.

LP: Vielen Dank!

 Karl-Hermann Flach

Karl-Hermann Flach

Karl-Hermann Flach (1929-1973) war ein deutscher Journalist, Buchautor und liberaler Politiker. Er wirkte zunächst in der LDPD sowie dann, nach seiner Flucht aus der DDR, in der FDP. Die Gründung des heutigen Verbands liberaler Akademiker als "Seniorenverband des Liberalen Studentenbunds Deutschlands" ging auf seine Impulse zurück. Von 1962 bis 1971 war er für die Frankfurter Rundschau tätig, bevor er als erster Generalsekretär zu den Freien Demokraten zurückkehrte.