„Anspruchsvoll, aber bescheiden“- so knapp charakterisierte Dr. Burkhard Luber die entscheidenden Merkmale der Friedensforschung. Zur Diskussion mit ihm kamen in geselliger Runde am 9. März in Hamburg liberale Akademiker, liberale Studenten und Interessierte in BallinStadt, dem Auswanderermuseum zusammen.

Die Friedensforschung habe sich davon verabschiedet, den Frieden herstellen oder planen zu wollen, Friedensforscher seien keine Heilsbringer. Heute sei die Friedensforschung pragmatischer als in ihren Gründungszeiten vor rund 60 Jahren. Vielmehr wolle man sensibilisieren und blinde Flecken sichtbar machen. Konkret wolle man Vorschläge zur Konfliktregelung gerade in Nachkriegsgesellschaften entwickeln. Mit diesen Klarstellungen leitete Dr. Luber in das Thema ein.

Friedensforschung heute: Hardware und Software

In seinem historischen Abriss ging er dann auf die zwei zentralen Themen ein: die Problematik der atomaren Rüstungsspirale sowie die Eskalationsstufen und Feindbilder der jeweils anderen Konfliktseite. Die heutige Friedensforschung ließe sich laut Dr. Luber vor allem in zwei Aspekte aufgliedern: Hardware und Software.

Bei ersterem liege der Fokus auf Waffen und der von ihr ausgehenden Gefahr. Mehr Waffen bedeuteten eine größere Kriegsgefahr. Zum zweiten Aspekt verwies Dr. Luber auf die Präambel der UNESCO-Verfassung: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Bei beiden Aspekten würden immer zwei Punkte berücksichtigt: zum einen die warnende Perspektive, zum anderen das Einbringen konstruktiver Alternativen.

In jüngster Zeit habe sich der Fokus der Friedensforschung auch auf neuere Entwicklungen, insbesondere auf die „neuen Kriege“. Diese finden nicht mehr zwischen Staaten statt und haben einen asymmetrischen Charakter, insbesondere in den Ländern der „Dritten Welt“. Dort habe man auch einen Wandel der Strategie feststellen können: Weg vom Gedanken der Kontrolle über Territorien hin zur Beherrschung sowie ggf. Vernichtung von Bevölkerungen. Abschließend stellte Dr. Luber die Überlegungen der Friedensforschung über die Struktur und Nachhaltigkeit von Nachkriegsgesellschaften und den dafür entwickelten, sogenannten „DDR-Prozess“ (Disarmament, Demobilization, Reintegration) sowie die Bedeutung eines konsequenten Minderheitenregimes vor.

Breite Fragestellungen in einer pluralen Welt

In der sich anschließenden Diskussion wurden von den Anwesenden verschiedenste Fragestellungen aufgeworfen: Wie wird voraussichtlich die neue Große Koalition mit Rüstungsexporten umgehen? Wie soll man sich im Konflikt mit Russland weiter verhalten? Müssen wir unser Denkschema ändern, was die vermeintlichen Vorteile der Rüstungsindustrie für die eigene Wirtschaft angeht? Welche Lehren werden aus dem Iran-Deal gezogen? Wie geht man mit Konflikten wie solchen zwischen dem Staat Nigeria und der Terrororganisation Boko Haram um, aber auch mit solchen Staaten wie Iran oder Nordkorea? Die Diskussion zeigte, wie breit die Fragestellungen inzwischen in einer pluralen Welt geworden sind und einfache Antwort kaum mehr möglich sind. Für die internationale Staatengemeinschaft sowie die Friedens- und Konfliktforschung bleibt in den nächsten Jahrzehnten die Arbeit nicht liegen; vielmehr verbreitert sich das Thema immer mehr.

Den Abend ließen dann VLA mit der Liberalen Hochschulgruppe Universität Hamburg im Restaurant Piccola ausklingen. Der dortige Austausch war freundschaftlich geprägt und verlief in guter, ausgelassener Stimmung. Auf ein Wiedersehen freuen wir uns alle!