Neuigkeiten aus dem Verband unabhängig von der LP

Ein bewegtes Leben mit zahlreichen Volten: Weimar, Nazi-Regime und Zweiter Weltkrieg, Demokratisierung und Wiederaufbau, Kalter Krieg und Flucht in den Westen, Entspannungspolitik, NATO-Doppelbeschluss, Wende, EU-Osterweiterung, Partnerschaft mit Russland, Besetzung der Krim. In seinen gut 99 Jahren hatte Wolfgang Schollwer bis zu seinem Tod im Januar 2021 Weltgeschichte erlebt – und teilweise auch mitgestaltet.

Stets bescheiden, selbstironisch, interessiert, aufgeweckt und zuhörend – so blieb dem Autor Wolfgang Schollwer in Erinnerung. Eine Würdigung dieses Mannes war für uns als Verband liberaler Akademiker anlässlich seines 100. Geburtstags selbstverständlich. Möglich war sie aufgrund zahlreicher Spenden, die wir 2021 seinetwegen erhielten. Am 13. August 2022 konnten wir diese Würdigung am Bonner Gustav-Stresemann-Institut endlich vollziehen, ohne dass uns Corona wie noch ein halbes Jahr zuvor zum eigentlichen Geburtstagstermin im Wege stand.

Dankbar sind wir auch für die über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darunter befanden sich auch Schollwers Familienangehörige, wie z.B. sein Großcousin Klaus Geerdts, der abschließend bewegte und bewegende Worte an die Versammelten richtete.

Nie formell Akademiker

Wolfgang Schollwer war nie Akademiker im formellen Sinn. Doch er brachte alle positiven Charaktereigenschaften sowie den Intellekt eines Akademikers mit. Gleichzeitig bewahrte er sich eine studentische Neugierde und Offenheit. Dass er Vorsitzender, Präses wie es bei uns heißt, eines Akademikerverbandes wurde, muss man vor diesem Hintergrund und nicht alleine vor dem der Umwälzungen der späten 1960er Jahre begreifen.

Sein Leben und sein Lebenswerk wurden gewürdigt vom Historiker Dr. Jürgen Frölich. Dieser versah seinen Vortrag „Wolfgang Schollwer – Kronzeuge einer neuen Ostpolitik“ mit einem deutlichen Fragezeichen. Dr. Frölich unterteilt dabei Schollwers Lebenslauf in vier Lebens- und Wirkungsphasen: die Jugend in Potsdam, die Zeit als LDP-Funktionär dort, der Abschnitt als Mitarbeiter im FDP-Ostbüro in Bonn und letztlich die Zeit als Vordenker einer neuen liberalen Deutschland- und Ostpolitik in der FDP und dann im Auswärtigen Amt.

Besondere Wandel- und Einsichtsfähigkeit

Die unterschiedlichen Sichtweisen, ja die Entwicklung Schollwers insbesondere nach seiner Flucht nach Bonn wurde so allen Zuhörerinnen und Zuhörern greifbar; in den beiden sogenannten Schollwer-Papieren der 1960er verbunden mit einer Denkschrift vom März 1956 ist der Wandel besonders greifbar. Die Auswirkungen dieser auf die FDP bewertete Dr. Frölich als selten nachhaltig und stellte Schollwer in eine Reihe mit Karl-Hermann Flach und Otto Graf Lambsdorff.

Abgeleitet aus dem Werdegang und den jeweiligen Ausgangssituationen kam Dr. Frölich zum Schluss, dass die heutige Situation eher jener der späten 1940er und 1950er Jahre ähnelt weshalb an den damaligen Gedankengänge Schollwers anzuknüpfen wäre. Jedoch unterstrich er die besondere Wandlungs- und Einsichtsfähigkeit aus Basis einer mit preußischer Nüchternheit vollzogenen Analyse des Wolfgang Schollwer, quasi als dessen Markenzeichen. So schloss dann auch Dr. Frölich: „Eine solche Wandlungs- und Einsichtsfähigkeit hilft vielleicht auch heute bei der Suche nach einer neuen Ostpolitik, preußische Nüchternheit a la Wolfgang Schollwer in jedem Fall.“

Europas Herausforderungen mit streitbaren Schlussfolgerungen

Nach diesem Rückblick nahm der Niederländer Dr. René Cuperus den Faden auf und lenkte den Blick auf die europäische Ebene. Mit einer Nüchternheit, die sicherlich Schollwers Gefallen gefunden hätte, analysierte die aktuelle Lage Europas in der Außen- und Sicherheitspolitik. Der von Russland begonnene Ukrainekrieg bedeutete einen humanitären und geopolitischen Schock und ein „Ende des Endes der Geschichte“. Dieser geopolitische Schock des Ukrainekriegs müsse jedoch neben zwei weiteren betrachtet werden: Dem China- und dem Trump-Schock, die sowohl in den USA als auch in Europa nachdrücklich spürbar seien.

Zentrale Punkte der bisherigen deutschen Außen- und Sicherheitspolitik stünden zudem im Sinne einer deutschen Zeitenwende nun zur Disposition: Die Nachkriegszeit, das Verständnis als Friedensmacht, Wandel durch Handel und „Nie wieder Krieg“. Ein „soul searching“ in Deutschland sei nun aus Sicht Dr. Cuperus im Gange, während die Großmächte USA und China miteinander im Machtwettbewerb stünden, eine „ruling power“ (USA) mit einer „rising power“ (China), was in der Geschichte immer Instabilität mit sich gebracht habe.

Die EU spiele dabei zwar als wirtschaftliche Supermacht mit, stünde mit den populistischen bzw. autoritären Bewegungen in Osteuropa, insbesondere in Polen und Ungarn, sowie den mit einer möglichen erneuten Euro-Krise vor ganz eigenen Herausforderungen, die einem Einheitsjubel entgegen stünden.

Da Europa per Definition politisch, kulturell, wirtschaftlich und verwaltungsmäßig zu divers und zu uneinig sei, sei eine erforderliche größere und stärkere Einheit Europas ohne Schaden am demokratischen Geist und der kulturellen Vielfalt anzurichten quasi nicht möglich. Daher forderte Dr. Cuperus ein nach außen starkes und nach innen bescheidenes Europas, um si eine Balance zwischen europäischer Stärke und nationaler Demokratie zu erreichen; kurz gesagt: Supermacht ja, Superstaat nein.

Widerspruch aus dem Publikum

Seine hier spezielle niederländische Perspektive brachte auch entsprechende Impulse bei den Zuhörerinnen und Zuhörern, insbesondere als aus seiner Sicht kein europäischer Bundesstaat das Ziel sein könne. Dass die FDP und die aktuelle Ampel-Koalition dies anders sehe, wurde nachdrücklich aus dem Publikum artikuliert.

Nicht weg von Europa, aber mit einer Neujustierung des Fokus reihte sich Christian Schmitz, Geschäftsführer der European Society for Digital Sovereignty in die Vortragsreihe ein. Digitale Souveränität beschrieb er aus seiner Sicht als „Versuch, alle kritischen Bereiche des digitalen Raumes zu erfassen, und bewusste Bewertungen und Entscheidungen bezüglich der digitalen Handlungsfähigkeit und Handlungssouveränität des Staats, der Wirtschaft und Bürger zu treffen“.

Geburt des „Cyber-Schollwers“

Aufbauend auf der Struktur der beiden Schollwer-Papier Betrieb Schmitz eine nüchterne Analyse der Situation. Der beleuchtete dabei den deutschen Aufbau der Cyberarchitektur, das bürokratische Verständnis des Aufbaus des Internet und die Realität, wie Cybernetzwerke heute tatsächlich strukturiert sind, die Einkommenssituation von IT-Fachleuten in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den USA.

In der Bewertung kam Schmitz zur Auffassung, dass auf offizieller Seite eine Verantwortungsdiffusion herrsche, während der Wettbewerb strukturell verzerrt sei sowie die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland international nicht gegeben sei. Dennoch gebe es kein Problembewusstsein. Schmitz schloss als Konsequenzen mit einem Appell, dass u.a. der Staat Bürgern und Wirtschaft in Sachen Digitalisierung Vorfahrt lassen solle und es eine Reform durch echte digitale Verwaltungsprozesse statt schlechter Verwaltungsprozesse, die manchmal auch digital seien, benötige.

Diesen inhaltlich großen Spagat führte geschickt in der Diskussion die Moderatorin Dr. Ann Sophie Löhde wieder zusammen. Hier wurden, gemeinsam mit dem Publikum, die Untiefen nationaler, europäischer und Internationaler Herausforderungen mit ihren Rückwirkungen ausgemessen; sei es mit Bezug zu den europapolitischen Vorhaben der Ampel-Koalition, sei es mit Rückgriff auf Schollwers Rolle in FDP und Auswärtigen Amt.

Abschließend gilt der Dank allen Spenderinnen und Spendern, auch für die übergroße Anteilnahme, sowie dem Archiv des Liberalismus und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Ohne sie alle wäre dieses Symposium für Wolfgang Schollwer so nicht möglich gewesen.

Am Rande noch die Empfehlung einer Lektüre. Diese wurde am 13. August seitens des Archiv des Liberalismus vorgestellt. Der VLA hat sie mitfinanziert.

Dr. Jürgen Frölich: Einheit und Freiheit. Die liberale Deutschland- und Entspannungspolitik 1945-1990/91. 2022.

Der Verband liberaler Akademiker vergibt pro Jahr bis zu vier Stipendien für die internationale Arbeit im Bereich der Liberalen Hochschulgruppen. Im ersten Halbjahr 2022 haben wir so Nicole Witt aus Göttingen gefördert. Sie berichtet im Folgenden von ihrem Besuch des LYMEC-Kongresses in Prag.

„Am Wochenende des 20.-22. Mai hatte ich die Ehre, für den Bundesverband der Liberalen Hochschulgruppen als Delegierte beim „LYMEC Electoral Spring Congress“ in Prag dabei sein zu dürfen. Das Wochenende war für mich eine große Bereicherung – zum einen hatte ich die Möglichkeit, viele neue, junge Menschen aus ganz Europa mit politischen Impulsen kennenzulernen, zum anderen gab es spannende, inhaltliche Debatten.

Noch vor Kongressbeginn veranstaltete das „Renew Europe Team“ einen Workshop.Dies geschah vor dem Hintergrund, dass das Europäische Parlament und der Rat sich im Dezember darauf geeinigt hatten, 2022 als „Year of the Youth“ zu bezeichnen. In erster Linie zielte er darauf ab, die Delegationen dazu ermutigen und zu inspirieren, Veranstaltungsideen zu entwickeln, welche junge Menschen noch näher an die Politik heranbringen. Dadurch, dass die Initiativen des „Year of the Youth“ mit insg. 8 Millionen Euro unterstützt werden, war die monetäre Frage zunächst einmal zweitranging, was der Ideenfindung natürlich sehr zu Gute kam. Am Ende konnte das Renew Europe Team zahlreiche Veranstaltungsideen mitnehmen – und der Kongress konnte beginnen.

Offene Atmosphäre weckte Motivation

Neben zahlreichen Grußwörtern (unter anderem von Svenja Hahn, die auch das ganze Wochenende vor Ort war), wurde eine Dringlichkeitsantrag zu Menschenrechten in internationalen Sportveranstaltungen diskutiert und angenommen. Am Abend fand dann das gemeinsame Abendessen im Hotel statt. Hier kamen wir mit zahlreichen anderen Delegierten ins Gespräch. Besonders gefallen hat mir dabei die offene Atmosphäre; auch wenn man noch kaum jemanden kannte, wurden wir sofort ins Gespräch mit einbezogen und als Teil der Gemeinschaft verstanden. Die Motivation für die nächsten Kongresstag wurde auf jeden Fall geweckt.

Am Samstagvormittag begann es zunächst mit internen Angelegenheiten. Dazu gehörte z.B. die Aufnahme von Mitgliedern als volle Mitglieder sowie als assoziierte Mitglieder. Als volle Mitglieder wurden „Movement for! Youth Latvia“, „Vesna Youth Democratic Movement Russia“ und „Young Green Liberals Switzerland” aufgenommen. Da es mein erster Kongress war, fand ich diesen Tagesordnungspunkt besonders interessan: Ich konnte ein grundsätzliches Gefühl für die interne Organisation von LYMEC in Bezug auf die Mitglieder gewinnen.

Spannende Neuwahlen des Bureau LYMEC

Danach stand einer der Hauptpunkte des Programmes: Das Bureau LYMEC wurde neu gewählt. Einige Kandidat*innen hatten sich im Vorfeld online bereits bei den Delegationen vorgestellt. Dadurch hatte man sich bereits im Vorfeld einen persönlichen Eindruck machen und die Ziele der Kandidat*innen kennenlernen können. Als neuer Präsident wurde Dan-Aria Sucuri (Schweden) gewählt. In seiner Rede erklärte er, die liberalen Ideen, die durch LYMEC entstünden, in seiner Amtszeit nach außen tragen zu wollen und sich insbesondere die Umsetzung der vielen Ideen vorzunehmen. Ines Holzegger (Österreich) wurde in einer Kampfkandidatur mit Marten Porte (Niederlande) als Vizepräsidentin gewählt. Sie versprach in ihrer Rede, LYMEC für junge Leute noch erreichbarer machen – und den Einfluss der Organisation stärken zu wollen. Zudem solle erreicht werden, die Ideen junger Menschen noch weiter nach vorne zu bringen.

Um genau diese Ideen ging es dann nach dem Mittagessen in der Antragsdebatte. Die konkrete Reihenfolge war zu Kongressbeginn per Alex-Müller-Verfahren festgelegt worden. Anträge, die sich mit dem Krieg gegen die Ukraine beschäftigten, standen dabei ganz oben auf der Tagesordnung. Auch hier möchte ich noch einmal meinen besonderen Respekt gegenüber den Delegierten der „Young Liberals Ukraine“ und der „Ze!Molodizhka Ukraine“ betonen. Sie waren beim Kongress anwesend, wohl in dem Wissen, welchen schrecklichen Situationen Freunde und Familie in ihrem Heimatland ausgesetzt sind. Der Antrag „Recognition of the Genocide of the Ukrainian People by the Russian Federation“ war besonders bewegend. Er sah vor, dass LYMEC die Gräueltaten Russlands gegenüber der ukrainischen Bevölkerung als „Genozid“ einstufe. Zur Begründung hielt eine ukrainische Delegierte eine sehr ergreifende Rede über die schreckliche Situation in dem Land. Der ganze Saal war von ihren Worten deutlich mitgenommen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Was ist eigentlich „liberal“?

Hitzig diskutiert wurde dagegen vor allem das unterschiedliche Verständnis und die Auslegung des Begriffs „liberal“ zwischen den verschiedenen Delegationen. Die Debatte war nicht nur besonders aufgeladen und emotional, sondern auch spannend, da die Meinungen in diesem Bereich besonders stark auseinander gingen. Die Schweizer Delegation „Jungfreisinnige Schweiz“ hatte beispielsweise einen Antrag mit dem Titel „For basic classic liberal principles – a market-friendly LYMEC”, gestellt. In einer Passage hieß es dabei, dass Aufgaben des Staates auf dessen Kernkompetenzen begrenzt sein sollten. Viele Delegationen bewerteten das als problematisch. Sie argumentierten unter anderem, dass durch diese Formulierung assoziiert werde, dass soziale Aspekte ausgeschlossen wären.

In meinen Augen ist dies aufgrund der Auslegungsmöglichkeit von dem Begriff „Kernkompetenz“ gerade nicht der Fall. Vielmehr müsste im zweiten Schritt zwar diskutiert werden, was genau von „Kernkompetenz“ umfasst ist; die Forderung, dass sich der Staat auf seine Kernkompetenzen jedoch beziehen soll, ist für mich mit einem liberalen Verständnis unproblematisch. Im Ergebnis wurde der Antrag jedoch mit weniger als 30 % Zustimmung abgelehnt. Da dies der letzte Antrag war, der zeitlich besprochen werden konnte, kam es leider gar nicht mehr zu unserem Antrag.

LHG-Antrag wurde leider nicht diskutiert

Wir als LHG hatten einen Antrag eingereicht, der darauf abzielte, gehörlosen Studierenden das Studium zu erleichtern, da dieses – insbesondere für Betroffene – ein sehr wichtiges, aber leider bisher eher stiefmütterlich behandeltes Thema ist. Beispielsweise forderten wir in dem Antrag, die bürokratischen Hürden für gehörlose Studierende zu reduzieren, die Etablierung einer Universität für Gehörlose, die dem Beispiel der Gaullaudet University in den USA folgt und die Bereitstellung von zusätzlichem Material zum bestmöglichen Umgang mit gehörlosen Studierenden für Universitäten. Der Antrag wurde nun leider nicht thematisiert. Doch wir haben die Chance, ihn beim nächsten Mal erneut einzureichen – was meiner Meinung nach auch getan werden sollte.

Nach einem sehr langen und spannenden Debattentag freuten sich sicherlich alle auf das Abendprogramm, welches eine Bootsfahrt auf der Moldau vorsah. Bei langsam eintretender Dämmerung hatte man einen wunderschönen Blick auf Prags Altstadt! Zudem gab es reichlich Essen und zahlreiche, spannende Gespräche entstanden. Es wirkte so, als hätte der Kongress allen sehr viel Spaß bereitet. Ich freue mich, dass ich für die Liberalen Hochschulgruppen ebenfalls dabei sein durfte. Hoffentlich darf ich in Zukunft wieder Teil unserer Delegation sein!“

Eher ungewöhnlich für unsere sonstigen Regionaltreffen war es, dass dieses Mal kein Thema im Fokus stand. Vielmehr stand der persönliche Austausch im Zentrum – und viele nutzten dieses Angebot  sehr gerne. Fast 20 Personen aus den Reihen von VLA und LHG sowie Externe kamen im Walhalla zusammen.

Besonders freute uns der Besuch von Judith Lehnigk-Emden aus Rheinland-Pfalz. Einen besonderen Platz in der Runde hatte zudem die noch recht junge Liberale Hochschulgruppe der Hochschule für Wissenschaft und Recht (HWR) Berlin.

Es war ein Abend des Kennenlernens, Wiedersehens, Schwelgens in Erinnerungen und politischer Ideen.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen und der Verband liberaler Akademiker suchen eine gemeinsame

Bundesgeschäftsführung (m/w/d)

vorzugsweise zum 01.05.2022 für den Tätigkeitsort Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin. Ein flexibler Beginn ist nach Absprache ebenfalls möglich.

Wir bieten:

• Ein motiviertes Team und viele spannende Herausforderungen

• Eine Anstellung auf Minijob-Basis

• Ein flexibles und modernes Arbeitsumfeld in direkter Nachbarschaft zur Freien Demokratischen Partei

Kerntätigkeiten

• Administrative Aufgaben zur Unterstützung des Bundesvorstands der Liberalen Hochschulgruppen und des Präsidiums des Verbands Liberaler Akademiker

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Wir erwarten:

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Berufserfahrung ist keine Voraussetzung, aussagekräftige Empfehlungsschreiben werden berücksichtigt.

Deine Bewerbungsunterlagen richtest Du bitte bis zum 28.04.2022 ausschließlich per E-Mail

an bewerbung@bundes-lhg.de.

Für Fragen kannst Du Dich jederzeit gerne an kurtz@bundes-lhg.de wenden.

 

 

https://liberale-akademiker.de/wp-content/uploads/2022/03/BGST-Ausschreibung.pdf

Wer sich gerne auf postalischem Wege an uns richtet, der erreicht den VLA ab dem 1. April 2022 unter einer neuen Anschrift. Wir werden künftig, genau wie die Liberalen Hochschulgruppen, in der Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin zu finden sein. Das erleichtert die Zusammenarbeit sowie die Prozesse beider Verbände, die durch den gemeinsamen Geschäftsführer Ludwig Behr gemanaget werden.

Für Rückfragen dazu stehen wir gerne über info@liberale-akademiker.de zu Verfügung.

 

Bildrechte: Freie Demokratische Partei, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Zu Wolfgang Schollwers 100. Geburtstag 

Aufstieg der NSDAP, Machtübernahme der Nationalsozialisten, Beginn und Ende des Zweiten Weltkriegs. Besetzung, Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Kalter Krieg, Mauerbau, Sozialliberale Koalition, 16 Jahre Kohl und Wiedervereinigung. Einführung des Euros, 11. September 2001, Wirtschaftskrise, Besetzung der Krim durch Russland – ein Leben sozusagen in historischen Stichworten. Dies alles hat Wolfgang Schollwer, der am 22. Januar 2021 in Bonn verstarb, live erlebt.

Parteifunktionär, Parteiangestellter, Ministerialreferent 

Sein Berufsleben führte ihn unterschiedliche Funktionen. Er begann als Parteifunktionär der LDP in der jungen DDR. Nach seiner Flucht in den Westen 1950 wurde er Angestellter der FDP. Daran schloss sich seine Verwendung als Ministerialreferent im Auswärtigen Amt 1972 an. Überall gestaltete er einen Teil dieser oben beschriebenen Geschichte mit. Ein kleines Rädchen unter vielen, würde er vermutlich seine eigene Rolle marginalisieren, stellte er sich doch ungern ins Rampenlicht.

Dabei kann seine Rolle insbesondere für den Wandel der FDP in ihrer außenpolitischen Ausrichtung in den 1960er Jahren nicht überschätzt werden. Historiker beschreiben Schollwers Wirkung bereits seit längerem als vergleichbar mit der Egon Bahrs in der SPD, nur eben noch früher. Während sich Bahr erst ab 1966 der Deutschlandpolitik unter Willy Brandt als Außenminister widmete, schrieb Schollwer seine erste Denkschrift, das erste sog. Schollwer-Papier, 1962. Das zweite folgte 1967. Damit wurde er zum Vordenker liberaler Entspannungspolitik – eine Politikwende, die in der FDP Zeit braucht, waren hier doch noch starke nationale bis nationalliberale Strömungen aktiv. Diese konnten sich nicht so schnell mit einer Neuausrichtung der Deutschlandpolitik abfinden.

Präses des VLA ohne akademischen Abschluss 

Es war auch ein besonderes Zeichen, dass Wolfgang Schollwer zum Präses des Seniorenverbandes des Liberalen Studentenbundes Deutschland, dem heutigen Verband liberaler Akademiker (VLA), gewählt wurde. Schollwer hatte in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR nie studieren dürfen. Aufgrund seines Dienstgrades als Leutnant der Reserve der Wehrmacht sowie seiner liberalen Gesinnung verbauten die Kommunisten ihm diesen Weg.

Auch nach der Flucht in den Westen war für den verheirateten Endzwanziger ein Studium keine Option mehr. Doch er fand in Bonn Anschluss an einen Kreis junger liberaler Geister, die es nach dem Studium häufig in die junge Bundeshauptstadt verschlug. Hier gründete sich der Seniorenverband 1955 als Ehemaligen- oder auch Alumniverein. Gründungsmütter und -väter waren die, welche sich im Liberalen Studentenbundes Deutschland bzw. liberal in Hochschulgremien engagierten. Schollwer wurde in den 1960ern Teil dessen, sozusagen ein Akademiker ohne akademischen Abschluss. Die Entscheidung, ihn an die Spitze des Verbandes zu stellen, fiel einstimmig – auch gerade vor dem Hintergrund des Ringens um eine neue liberale Deutschlandpolitik innerhalb der FDP.

Mit dem Beginn der sozialliberalen Koalition wurden seine Gedanken Wirklichkeit. Als Teil des Auswärtigen Amtes konnte er in seinen letzten 15 Berufsjahren unter den Außenministern Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher seine Gedanken direkt in die Politikgestaltung einbringen. Die Wende, die zwei Jahre nach seiner Pensionierung erfolgte, hatte er nicht kommen sehen, wie er in einem Gespräch 2018 in Bonn zugab.

Sorge um den Frieden in Europa 

Bis zu seinen letzten Tagen war Wolfgang Schollwer geistig voll auf der Höhe, ständig gut im Bild über die aktuellen politischen Debatten. Seine ständige Sorge galt dem Frieden in Europa. Im ständigen Austausch mit jungen Studentinnen und Studenten hielt er seinen Finger an den Puls der Zeit ohne jedoch in den zeitgeistigen Strömungen unterzugehen. Sein liberaler Kompass blieb fest ausgerichtet.

Doch nicht nur seine geistige Klarheit zeichnete ihn aus. Auch sein feinsinniger Humor, seine Selbstironie, mit der er auf die eine oder andere Eitelkeit in seinem Leben zurückblickte, machten ihn zu einem angenehmen Gesprächspartner. Er neigte nicht zur Monologisierung, sondern begegnete all seinen Gesprächspartnern, egal welchen Alters, egal mit welchem Hintergrund, immer auf Augenhöhe.

Wolfgang Schollwer hat ein geistiges Erbe hinterlassen, das es zu wahren gilt. Er war Vorbild in vielerlei Hinsicht. Frauen und Männer seines Schlages sind gerade heute in der deutschen und europäischen Außenpolitik gefragter denn je. Wieder einmal geht es um den Frieden in Europa.

Insgesamt organisierte das Präsidium in der ersten Jahreshälfte sechs online-Veranstaltungen. Von diesen waren fünf sogenannte Webtalks und eine war ein digitales Pfingstseminar. Dabei handelte es sich in der Regel um Kooperationsveranstaltungen, insbesondere mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF). Daneben zählten zu weiteren Kooperationspartnern Project Access, die LHG Frankfurt am Main, Arbeiterkind.de, der Verband der Stipendiaten und Altstipendiaten der FNF sowie der AK Internationales der Stipendiaten der FNF.

Danach, in der zweiten Jahreshälftem, haben wir zudem insgesamt vier Veranstaltungen in Präsenz an insgesamt zwei Tagen durchgeführt.

An folgenden Terminen wurden diese Veranstaltungen durchgeführt:

Webtalks
5. Februar 2021: „Kontinuität oder (Auf-)Bruch?
6. Mai 2021: „Wie hält es China mit den Menschenrechten?
10. Mai 2021: „Liberal beyond limits? The Netherlands after the election“
2. Juni 2021: „Kampf dem CO2 – Externalitäten einpreisen fürs Klima“
16. Juni 2021: „Wo geht’s hier nach Harvard?“

Digitales Pfingstseminar
21. Mai 2021, Teil 1: „Freiheit & Verantwortung der Wissenschaft in Kriegen & Konflikten
22. Mai 2021, Teil 2: „Wie der Klimawandel die Friedens- und Sicherheitspolitik fordert

Präsenzveranstaltungen
14. August 2021: Verleihung des ARNO-ESCH-Preises an die Hongkonger Studenten vertreten durch Nathan Law in Bonn (hybrid)
14. August 2021: Convent in Bonn
20. November 2021: Regionaltreffen „Bitcoin oder digitaler Euro?“ in Bonn
20. November 2021: Klausurtagung des Präsidiums in Bonn

Einige dieser Veranstaltungen sind auch digital aufgezeichnet worden und über YouTube verfügbar. Klicken Sie dafür einfach auf den Link bei der Veranstaltung.

Das Bonner Regionaltreffen kann schon als innerverbandliche Institution gelten. Einmal jährlich trifft man sich kurz vor der Adventszeit, um das Jahr mit einen spannenden politischen Thema zu beenden.

Dieses Jahr lockte das Regionaltreffen, das einmal mehr in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit stattfand, über 30 Gäste in das Restaurant „Opera“. Im Fokus stand das Thema „Bitcoin oder digitaler Euro“. In das Thema führte Bundesbankoberrat David Ballaschk ein. Er ist bei der Deutschen Bundesbank unter anderem mit Innovationen im Geldverkehr betraut. Souverän führte dann Andreas Becker, Wirtschaftsredakteur der Deutschen Welle, durch die Debatte.

Erst einmal legte Herr Ballaschk die grundlegenden Funktionen von Geld dar, nämlich die Zahlungsmittelfunktion, die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel und die Recheneinheitsfunktion. Damit etwas zudem als Geld genutzt wird, braucht eine Währung eines: Vertrauen. Das war dann auch das Stichwort des Events, das beständig wiederkehrte. David Ballaschk ging danach auf die Entwicklung von Bitcoin und auf den aktuellen Stand zum digitalen Euro ein.

Kein digitaler Euro vor 2026

Bezüglich des letzteren hielt David Ballaschk fest, dass dieser nicht vor fünf Jahren eingeführt werde. Jetzt fände seit kurzem erst einmal eine zweijährige Untersuchungsphase statt, an die sich dann – im Falle eines positiven Abschlusses – eine dreijährige Testphase anschließen solle. Das heißt also: Kein digitaler Euro in den nächsten fünf Jahren. „Planwirtschaft braucht eben Zeit“, wie es spitz zum Ende der Veranstaltung hieß.

Einige Gäste begegneten im Austausch mit dem Referenten dem digitalen Euro doch mit Misstrauen. Auch die Geldpolitik der EZB, welcher die Deutsche Bundesbank ja angehört, wurde kritisiert. Aus Sicht der Kritiker räume die EZB der Geldwertstabilität nicht die notwendige und eigentlich verlangte Priorität ein. Und das dadurch entstandene Misstrauen wurde schnell auf einen ggf. kommenden digitalen Euro gemünzt.

Währung oder Spekulationsobjekt?

Daneben gab es auch aus anderer Richtung Kritik, nämlich am Bitcoin. Die Funktion als Währung zogen einige Diskussionsbeiträge durchaus in Zweifel, Spekulation stünde doch im Fokus so die Kritiker. Mit deren Argumenten durfte sich dann Alexander Müller auseinandersetzen. Der Bundestagsabgeordnete und studierte Informatiker ist Verwaltungsrat der Bitcoin Group SE und hat so neben seinem Mandat ausreichend Berührungspunkte mit dieser Materie.

Müller unterstrich, dass er einem Algorithmus wie dem Bitcoin vertraue. Dieser sei transparent und quasi immun gegen Manipulationen, wie sie bei Zentralbankgeld geschehen. Aus seiner Sicht erfülle Bitcoin alle Geldfunktionen, auch wenn es noch ein sehr junges Geld sei.

Andreas Becker hackte bei den beiden Fachleuten dann auch gezielt nach: Wie stünde der digitale Euro zu den Entwicklungen anderer Zentralbanken da? Wie ist das praktische Verbot von Kryptowährungen, und damit Bitcoin, in China zu bewerten? Wie wird die Ablehnung des Bitcoins durch die Notenbankchefs in den USA, Jerome Powell, und Europa, Christine Lagarde, bewertet? Droht in Europa ein Verbot von Kryptowährungen?

Die lebendige Diskussion zwischen den Referenten, dem Moderator und dem Publikum zeigte vor allem eines: Das Thema brennt jung wie alt unter den Nägeln, denn unsere Währung geht letztlich alle an. Bitcoin und der digitale Euro – beide werden uns noch länger begleiten.

Am 20. November 2022 kam das  VLA-Präsidium in einem hybriden Format zusammen. Während sich gut die Hälfte der Präsidiumsmitglieder digital zuschalteten, hatten sich die übrigen im Bonner Domizil von Simone Lauffer eingefunden.

Im Fokus der Klausutagung standen insbesondere die Jahresplanung und der Social Media Auftritt des Verbandes. Zahlreiche Veranstaltungen wurden besprochen. Dazu zählen der Jahresauftakt, das Symposium zu Ehren Wolfgang Schollwers und das Pfingstseminar, um nur einige wenige zu nennen. Sicher ist: der Fahrplan für spannende und ereignisreiche Events steht.

Social Media Task Force gegründet

Für den Social Media Auftritt wurde eine Task Force gegründet, um mehr Aktivität in alle Auftritte, insbesondere bei Facebook zu bekommen. Dazu gilt es die bisher genutzten Tools besser miteinander zu vernetzen. Ziel ist es, die Reichweite zu vergrößern und mehr Austausch mit den Liberalen Hochschulgruppen entstehen zu lassen.

Am Ende der Klausurtagung war sich das Präsidium einig, dass man mit den vorgenommenen Projekten, die in der vorangegangene Amtszeit begonnene Arbeit vorangetrieben wird. Die Modernisierung des Verbandes schreitet so weiter voran.

Schon recht lange war ein Treffen mit der LHG Bonn im Gespräch. Bereits letztes Jahr hatten wir uns zwei Mal getroffen. Das erste Mail zu einem gemütlichen Terrassenabend bei VLA-Mitglied Simone Lauffer in Nähe des Rheins, so dann beim zweiten Mal zum Grillen direkt am Rhein. Nun stand am 8. Oktober 2021 endlich ein Wiedersehen auf der Tagesordnung.

Im Garten von VLA-Mitglied Sven-Oliver Wolff kam man zusammen, Simone Lauffer hatte den Rührstab geworfen. Die Mäuler der hungrigen Meute wurden so mit Zwiebelkuchen gestopft. Den durstigen Kehlen wurde mit Federweißer Abhilfe geschaffen.

Entspannte Stimmung bis tief in die Nacht

Der laue Spätsommer nutzte VLA und LHG Bonn so vortrefflich. Bei guter Stimmung diskutierten die Bonner LHGler über die letzten Sitzungen des Studierendenparlaments (StuPa) der Universität Bonn . Aus der Opposition heraus kann die LHG Bonn derzeit nur begrenzt Wirkung entfalten. Dennoch wird man nicht müde, die eigenen Ideen als Anträge einzubringen und vielleicht so den einen oder anderen Impuls zum Nachenken zu setzen.

Auch die Gender-Debatte durfte an dem Abend genauso fehlen wie der beengte Meinungkorridor, insbesondere im StuPa. Als es dann doch frischer wurde, verlegte man nach drinnen. Dort wurde dann die Erwartungen an die Freien Demokraten, die nächste Bundesregierung und die mentale Ermattung der öffentlichen Verwaltung bis spät in die Nacht erörtert.

Gut gelaunt und voller Tatendrang verabschiedeten sich die Vertreterinnen und Vertreter der LHG Bonn von den VLA-Mitgliedern. Eines war am Ende sicher: Eine baldiges Wiedersehen wünschen beide Seiten.