Das Bonner Regionaltreffen kann schon als innerverbandliche Institution gelten. Einmal jährlich trifft man sich kurz vor der Adventszeit, um das Jahr mit einen spannenden politischen Thema zu beenden.

Dieses Jahr lockte das Regionaltreffen, das einmal mehr in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit stattfand, über 30 Gäste in das Restaurant „Opera“. Im Fokus stand das Thema „Bitcoin oder digitaler Euro“. In das Thema führte Bundesbankoberrat David Ballaschk ein. Er ist bei der Deutschen Bundesbank unter anderem mit Innovationen im Geldverkehr betraut. Souverän führte dann Andreas Becker, Wirtschaftsredakteur der Deutschen Welle, durch die Debatte.

Erst einmal legte Herr Ballaschk die grundlegenden Funktionen von Geld dar, nämlich die Zahlungsmittelfunktion, die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel und die Recheneinheitsfunktion. Damit etwas zudem als Geld genutzt wird, braucht eine Währung eines: Vertrauen. Das war dann auch das Stichwort des Events, das beständig wiederkehrte. David Ballaschk ging danach auf die Entwicklung von Bitcoin und auf den aktuellen Stand zum digitalen Euro ein.

Kein digitaler Euro vor 2026

Bezüglich des letzteren hielt David Ballaschk fest, dass dieser nicht vor fünf Jahren eingeführt werde. Jetzt fände seit kurzem erst einmal eine zweijährige Untersuchungsphase statt, an die sich dann – im Falle eines positiven Abschlusses – eine dreijährige Testphase anschließen solle. Das heißt also: Kein digitaler Euro in den nächsten fünf Jahren. „Planwirtschaft braucht eben Zeit“, wie es spitz zum Ende der Veranstaltung hieß.

Einige Gäste begegneten im Austausch mit dem Referenten dem digitalen Euro doch mit Misstrauen. Auch die Geldpolitik der EZB, welcher die Deutsche Bundesbank ja angehört, wurde kritisiert. Aus Sicht der Kritiker räume die EZB der Geldwertstabilität nicht die notwendige und eigentlich verlangte Priorität ein. Und das dadurch entstandene Misstrauen wurde schnell auf einen ggf. kommenden digitalen Euro gemünzt.

Währung oder Spekulationsobjekt?

Daneben gab es auch aus anderer Richtung Kritik, nämlich am Bitcoin. Die Funktion als Währung zogen einige Diskussionsbeiträge durchaus in Zweifel, Spekulation stünde doch im Fokus so die Kritiker. Mit deren Argumenten durfte sich dann Alexander Müller auseinandersetzen. Der Bundestagsabgeordnete und studierte Informatiker ist Verwaltungsrat der Bitcoin Group SE und hat so neben seinem Mandat ausreichend Berührungspunkte mit dieser Materie.

Müller unterstrich, dass er einem Algorithmus wie dem Bitcoin vertraue. Dieser sei transparent und quasi immun gegen Manipulationen, wie sie bei Zentralbankgeld geschehen. Aus seiner Sicht erfülle Bitcoin alle Geldfunktionen, auch wenn es noch ein sehr junges Geld sei.

Andreas Becker hackte bei den beiden Fachleuten dann auch gezielt nach: Wie stünde der digitale Euro zu den Entwicklungen anderer Zentralbanken da? Wie ist das praktische Verbot von Kryptowährungen, und damit Bitcoin, in China zu bewerten? Wie wird die Ablehnung des Bitcoins durch die Notenbankchefs in den USA, Jerome Powell, und Europa, Christine Lagarde, bewertet? Droht in Europa ein Verbot von Kryptowährungen?

Die lebendige Diskussion zwischen den Referenten, dem Moderator und dem Publikum zeigte vor allem eines: Das Thema brennt jung wie alt unter den Nägeln, denn unsere Währung geht letztlich alle an. Bitcoin und der digitale Euro – beide werden uns noch länger begleiten.

Am 20. November 2022 kam das  VLA-Präsidium in einem hybriden Format zusammen. Während sich gut die Hälfte der Präsidiumsmitglieder digital zuschalteten, hatten sich die übrigen im Bonner Domizil von Simone Lauffer eingefunden.

Im Fokus der Klausutagung standen insbesondere die Jahresplanung und der Social Media Auftritt des Verbandes. Zahlreiche Veranstaltungen wurden besprochen. Dazu zählen der Jahresauftakt, das Symposium zu Ehren Wolfgang Schollwers und das Pfingstseminar, um nur einige wenige zu nennen. Sicher ist: der Fahrplan für spannende und ereignisreiche Events steht.

Social Media Task Force gegründet

Für den Social Media Auftritt wurde eine Task Force gegründet, um mehr Aktivität in alle Auftritte, insbesondere bei Facebook zu bekommen. Dazu gilt es die bisher genutzten Tools besser miteinander zu vernetzen. Ziel ist es, die Reichweite zu vergrößern und mehr Austausch mit den Liberalen Hochschulgruppen entstehen zu lassen.

Am Ende der Klausurtagung war sich das Präsidium einig, dass man mit den vorgenommenen Projekten, die in der vorangegangene Amtszeit begonnene Arbeit vorangetrieben wird. Die Modernisierung des Verbandes schreitet so weiter voran.

Schon recht lange war ein Treffen mit der LHG Bonn im Gespräch. Bereits letztes Jahr hatten wir uns zwei Mal getroffen. Das erste Mail zu einem gemütlichen Terrassenabend bei VLA-Mitglied Simone Lauffer in Nähe des Rheins, so dann beim zweiten Mal zum Grillen direkt am Rhein. Nun stand am 8. Oktober 2021 endlich ein Wiedersehen auf der Tagesordnung.

Im Garten von VLA-Mitglied Sven-Oliver Wolff kam man zusammen, Simone Lauffer hatte den Rührstab geworfen. Die Mäuler der hungrigen Meute wurden so mit Zwiebelkuchen gestopft. Den durstigen Kehlen wurde mit Federweißer Abhilfe geschaffen.

Entspannte Stimmung bis tief in die Nacht

Der laue Spätsommer nutzte VLA und LHG Bonn so vortrefflich. Bei guter Stimmung diskutierten die Bonner LHGler über die letzten Sitzungen des Studierendenparlaments (StuPa) der Universität Bonn . Aus der Opposition heraus kann die LHG Bonn derzeit nur begrenzt Wirkung entfalten. Dennoch wird man nicht müde, die eigenen Ideen als Anträge einzubringen und vielleicht so den einen oder anderen Impuls zum Nachenken zu setzen.

Auch die Gender-Debatte durfte an dem Abend genauso fehlen wie der beengte Meinungkorridor, insbesondere im StuPa. Als es dann doch frischer wurde, verlegte man nach drinnen. Dort wurde dann die Erwartungen an die Freien Demokraten, die nächste Bundesregierung und die mentale Ermattung der öffentlichen Verwaltung bis spät in die Nacht erörtert.

Gut gelaunt und voller Tatendrang verabschiedeten sich die Vertreterinnen und Vertreter der LHG Bonn von den VLA-Mitgliedern. Eines war am Ende sicher: Eine baldiges Wiedersehen wünschen beide Seiten.

Die Liberalen Hochschulgruppen (LHG) NRW haben auf ihrer Landesmitgliederversammlung am 5. Oktober 2021 in Köln einen neuen Landesvorstand gewählt. Bestätigt im Amt wurde Landesvorsitzender Alexander Kobuss. Des Weiteren haben die LHG NRW das Programm für die Landtagswahl 2022 verabschiedet. Mit dabei vom Verband liberaler Akademiker waren Alexander Bagus als Präses des Verbands sowie der Landtagabgeordnete Rainer Matheisen (Düsseldorf).

Beide unterstrichen in ihren Grußworten die wichtige Rolle der LHG in der Landeshochschulpolitik. Dabei erinnerte Rainer Matheisen auch an seine eigene Zeit als Landesvorsitzender. Dass man hier als Liberale, auch zusammen mit anderen Hochschulgruppen, Dinge bewegen kann, habe sich insbesondere mit dem landesweiten Semesterticket gezeigt, doch auch verschiedentlich vor Ort.

Engagement vor Ort als Erfolgsgarant

Alexander Bagus hob hervor, dass auch die LHG vor Ort ihren Anteil dazu beigetragen haben, Jung- und Erstwähler bzw. -wählerinnen für die FDP zu erschließen. Ohne das Engagement vor Ort für die eigenen Kommilitoninnen und Kommilitonen wäre das nicht denkbar. Dafür sprechen auch die zahlreichen Top-Wahlergebnisse der LHG.

Alexander Bagus hob hervor: „Zudem ist die Hochschulpolitik ein breites Feld. Wer diese an der Campusgrenze enden lässt, der hat sie nicht verstanden. Vielmehr gilt es Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zusammenzudenken, um für sich vor Ort das Beste herauszuholen. Dies gelingt den LHG, weil sie sich nicht in Weltverbesserungsgedanken verstricken. Damit das auch in Zukunft gelingt, unterstützt der VLA die Hochschulgruppen finanziell, aber auch ideell.“

Zu Beginn der 70er Jahren wurden die Folgen des Wirtschaftswunders sichtbar. Die Gewässer waren verschmutzt, die Luft verpestet, die Landschaft vermüllt. Energiehunger und Ölpreiskrise (1973) prägten eine Generation. Und es war gar nicht daran zu denken, die Füße im Sommer im Rhein abzukühlen, wie wir es heute (wieder) tun. Der Rhein war eine eklige Brühe und stank. Die Luft über ihm war diesig von den schnaufenden Dieselschiffen, die rheinauf- und abwärts Waren und Rohstoffe transportierten. Höchste Zeit, etwas zu ändern!

Sozialliberale Koalition mit liberaler Umweltpolitik

Es waren Willy Brandt (SPD), seit 1969 regierender Bundeskanzler, und sein Vizekanzler Walter Scheel (FDP) die gemeinsam das neue Politikfeld „Umweltpolitik“ im Jahre 1971 einführten. Als Vorbilder diente ihnen die Umweltpolitik der USA sowie die schon im Vorfeld einflussreiche UN-Umweltkonferenz in Stockholm 1972. Nach seiner Initiierung nahm die damalige Bundesregierung umgehend ein Sofortprogramm (1970) in Angriff. Ein anspruchsvolles Umweltprogramm mit detailliertem Gesetzgebungsfahrplan und konkreten Zielvorgaben folgte nur ein Jahr später, konkret am 29. September 1971. Ein Meilenstein der Umweltpolitik, der nun sein 50. Jubiläum hat.

Ein Meilenstein, der jedoch ohne Mitglieder des VLA nicht zu denken wäre. Die Hand dieser sozialliberalen Umweltpolitik führte Peter Mencke-Glückert, langjähriger Präses des VLA. Er leitete von 1970 bis 1075 die  Abteilung Umweltangelegenheiten des Bundesinnenministeriums. In dieser Funktion unterfütterte so inhaltlich die Rettung der Unwelt für die Innenminister Hans-Dietrich Genscher und Werner Maihofer. Seine Bedeutung für die Durchsetzung der Umweltpolitik als bundesrepublikanisches Thema kann nicht unterschätzt werden. Unterstützt wurde Peter Menke-Glückert dabei von zahlreichen liberalen Weggefährten, die bis heute Mitglied im VLA sind, auch wenn sie vielleicht in Teilen der FDP den Rücken gekehrt haben.

Steht die Ampel vor der Tür?

Nun also 50 Jahre später scheint mit dem Ausgang der Bundestagswahl eine Neuauflage liberaler Umweltpolitik, ja vielleicht sogar der sozialliberalen Koalition mit den Grünen als drittem Partner möglich. Sind wir also einer Ampel nahe? Oder kommt doch Jamaika, das dann getrieben von FDP und Grünen eine neue Umwelt- und Klimapolitik einleitet?

So oder so: Hoffen wir, dass die zukünftige Bundesregierung an der Grüne und FDP aller Wahrscheinlichkeit nach beteiligt sein werden, gemeinsam das Beste und Innovativste zum Klimaschutz beitragen, damit unsere Kinder eine lebenswerte und vielfältige Welt behalten. Neue Meilensteine braucht das Land! Aber auch wir können jeden Tag etwas für den Klimaschutz tun. Mit jedem bewussten Einkauf im Supermarkt und mit jeder Reparatur eines Haushaltsgegenstandes, den wir nicht wegzuwerfen brauchen, tragen wir zum Klimaschutz bei. Weiter so!

Acht digitale Veranstaltungen, ein starkes Netz an Kooperationen, steigende Zahlen bei den Followern in Sozialen Netzwerken, Online-Verzeichniss, monatlicher Newsletter und eine gut gefüllte Kasse – das scheidende Präsidium blickte mit Zufriedenheit auf die Leistungen im Zeitraum Oktober 2020 bis August 2021.

Mit Bedauern wurden auch zwei Präsidiumsmitglieder – Manuel Gaul und Marina Sedlo – aus dem Präsidium verabschiedet. Bei beiden steht in der näheren Zukunft erst einmal der Beruf im Vordergrund. Der Convent bedachte ihr Engagement mit starkem Applaus und herzlichem Dank für die aktive Mitarbeit im Präsidium.

Alte und neue Gesichter

Die meisten Präsidiumsmitglieder stellten sich der Wiederwahl, wenn auch auf teilweise veränderten Positionen. So fungiert Alexander Bagus (Bonn) weiter als Präses sowie Sven-Oliver Wolff (Bonn) als Vize-Präses. Zur neuen Vize-Präses wurde Dr. Ann Sophie Löhde (Hamburg) gewählt, ihre Vorgängerin Sandra Drossel-Bück (München) tauschte mit ihr die Position als Beisitzerin. Simone Lauffer (Bonn) wurde als Schriftführerin einstimmig bestätigt. Für die Kasse des VLA ist nun Alexander Henkel (Schweppenhausen) verantwortlich. Komplettiert wird das Präsidium durch Moritz Harrer (Greifswald) als neuer Beisitzer. Zudem billigte der Convent eine (redaktionelle) Änderung der Beitragsordnung. Damit ist diese nun klarer und satzungsrechtlich einwandfrei formuliert.

Der Fokus des neuen Präsidiums ist klar: Fortsetzung der Strategie und der digitalen Erneuerung, Mitgliedergewinnung, zahlreiche attraktive Veranstaltungen sowie ein enger Draht zu den Liberalen Hochschulgruppen.

Abgerundet hat das traditionelle hochschulpolitische Gespräch mit der Bundesvorsitzenden der Liberalen Hochschulgruppen, Tabea Gandelheidt, diesen 69. ordentlichen Convent. Im Austausch mit Sandra Drossel-Bück berichtete sie von den Aktivitäten ihres Verbandes. Dabei ging sie explizit auf die Herausforderungen von COVID-19 für die Hochschulen und die Studierenden ein.

Protokoll des 69. ordentlichen Convents

Unser Magazin, die Liberalen Perspektiven, geht in seiner aktuellen Form ins achte Jahr. Daher ist es Zeit für etwas Neues! Neben einem Soft- oder ggf. Relaunch planen Herausgeberschaft und Chefredaktion eine ansprechende Online-Ausgabe. Diese soll über eine bloße PDF-Veröffentlichung hinausgehen.

Darum prüfen wir derzeit entsprechende Tools und Angebote, um unseren Mitglieder und unserer Leserschaft ein modernes und augenfälliges Lesevergnügen zu bereiten. Wir hoffen, dies schon mit der kommenden Winterausgabe umsetzen zu können. Da sich ein Heft nicht alleine macht, sind Sie mit Ihren Anregungen eingeladen, uns jederzeit zu kontaktieren: info@liberale-akademiker.de. Jede Idee ist willkommen!

Ende April hatte das Präsidium des VLA einen Beschluss zum Umgang mit dem Vermächtnis von Dr. Helmut Steinsdorfer, zu Lebzeiten Mitglied des Verbandes, getroffen.

Bestandteil dieses Vermächtnis waren auch zahlreiche Bücher, insgesamt fünf Bananenkisten mit Werken rund um Geschichte und den Liberalismus. Am 13. Juli 2021 haben wir diese Sammlung der Bibliothek des Liberalismus übergeben. Einige Bücher, die thematisch keine Heimat finden, haben wir zur Veräußerung freigegeben, um den Bestand der Bibliothek mit Neuerwerbungen erweitern zu können. Außerdem wurden die übernommenen Bücher gekennzeichnet und verweisen auf Dr. Steinsdorfer und den VLA. Wir danken dem Prometheus Institut sowie seinem Direktor Clemens Schneider und freuen uns auf künftige Kooperationen mit Prometheus.

Zudem hat das Präsidium den Beschluss vom 27. April 2021 am 27. Juli 2021 abgeändert. Die Änderung betrifft den dritten Punkt. Nachdem es eine Rücksprache mit dem Archiv des Liberalismus gab, hat sich ergeben, dass eine Umsetzung dieses Punktes unrealistisch sein dürfte. Daher lautet der Punkt 3 in seiner Formulierung nun: „Digitalisierung von Archivalien des VLA oder von in Verbindung mit dem VLA stehenden herausgehobenen Personen im Archiv des Liberalismus in Höhe von maximal 1.500 Euro“. Damit wollen wir einen Beitrag zur Verbandsgeschichte und zur Liberalismusforschung leisten, um so das Fundament einer ideal gedachten „Freiheitsbibliothek“ zu weitern.

Der Verband liberaler Akademiker gedenkt Arno Esch. Denn am 24. Juli 1951 ermordeten ihn die Sowjets in Moskau. Daher können wir diesen 70. Todestag des liberalen Studenten und Freund zahlreicher VLA-Mitglieder der ersten Stunde nicht vergessen. Vielmehr sind uns seine Lebensweise, sein Handeln, sein Mut für den Einsatz für Demokrate, Freiheit und Menschenrechte ein leuchtendes Beispiel.

Das Pfingstseminar 2021 war eine Premiere: Erstmals hat es in rein digitalem Rahmen stattgefunden. Mit Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die hatten wir eine Plattform um uns und unseren Verband darstellen zu können.

Die Frage nach der Verantwortung, aber auch der Freiheit der Wissenschaft im Umfeld von Kriegen und Konflikten umtrieb uns dieses Jahr. Dem Bundesverband der Liberalen Hochschulgruppen sei an dieser Stelle für diesen großartigen Themeninput gedankt.

Kritikreicher Einführungsvortrag

Den Auftakt am Freitagabend machte Professor Neitzel, Deutschlands einziger Militärhistoriker. Er stellte zu Beginn zusammenfassend die Rolle von Hochschullehrern während des Ersten und Zweiten Weltkriegs dar. Letztlich bestand diese in beiden Fällen in einer unkritischen Unterstützung der Staatsführung. Die Nachkriegszeit mit dem Aufkommen der Friedensforschung (später abgewandelt zu Friedens- und Konflikt) brachte eine veränderte Haltung in Deutschland zu Tage. Hier sparte Professor Neitzel nicht mit Kritik. U.a. entzündete sich diese an der politischen und journalistischen Darstellung an dieser Forschungsrichtung, an dem Mythos Europas als Friedensprojekt sowie der eigenen deutschen Wahrnehmung.

In der Diskussion hob Professor Neitzel dann auch immer wieder darauf ab, dass sich die Bundesrepulik sowie ihre Bürgerinnen und Bürger einen Diskurs über Sinn und Unsinn von deutschen Streitkräfte benötige – mit offenem Ergebnis. Zudem machte Neitzel an mehreren Stellen klar, dass weder Deutschland noch Europ zu einer (militärischen) Problemlösung, egal wo, in der Lage seien, da man normativ nicht entsprechend dafür aufgestellt sei.

Debattenkultur am frühen Morgen

Am Samstagvormittag folgten zwei Arbeitskreise: Einer zur Friedens- und Konfliktforschung, einer zu nuklearen Strategien. Dr. Burkhard Luber stellte das erstere Thema dar und wurde dabei von Felix Engelhardt durch eine kritische Diskussion geführt. So wurden nicht nur die Prämissen, sondern auch die Ergebnisse und Auswirkungen der Forschungsergebnisse hinterfragt. In der zweiten Arbeitsgruppe stellte Severin Pleyer von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr die Grundgedanken und den Wandel nuklearer Strategien sowie den aktuellen Sachstand dar. Dabei beleuchtete Pleyer auch aktuelle Konflikte, die in der Debatte kritisch hinterfragt wurden. Auch die Rolle bzw. Möglichkeiten internationaler Organisationen in Abrüstungsfragen wurde angerissen und deren Mehrwert als zweifelhaft bewertet.

Facettenreiche Auswirkungen des Klimawandels

Danach schloss sich der Abschlussvortrag zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Konflikte an. Raquel Munayer vom think tank adelphi gab uns einen Einblick in dieses Thema, das sich als sehr facettenreich darstellte. Wichtig sei zuvorderst die Erkenntnis, dass es keinen einfachen kausalen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Krisen in der Welt gibt. Es sei komplex. Gewisse Grundzüge wie der steigende Wettbewerb um noch knapper werdende Ressourcen ließen sich feststellen. Jedoch müsse nicht immer der Ausgangspunkt einer Krise mit Folgen des Klimawandels vor Ort verbunden sein. Vielmehr seien auch hier globale Kettenreaktionen feststellbar. Doch nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch schlecht konzipierte Klima- und Sicherheitspolitik bergen laut Munayer unbeabsichtigt ihre eigene Risiken.

In der anschließenden Diskussion ging es um zahlreiche Themen. Unter anderem wurde über Zusammenhänge von Klimawandel und Islamismus, der Diskrepanz zwischen dem Alter manchen Konflikts und der Problematik des Klimawandels diskutiert. Auch die Entwicklungszusammenarbeit und die Möglichkeit zur Stärkung der Resilienz in betroffenen Ländern spielte eine Rolle. Raquel Munayer ordnete in der Debatte die Problemfelder ein. Der Horizont war am Ende auf jeden Fall geweitet.

Abgesehen von den zahlreichen wissenschaftlichen Informationen, bleibt natürlich am Ende die Frage, was von diesem besonderen Pfingstseminar am Ende bleibt. Erwartbar war die Erkenntnis, dass ein digitales Format nie den persönlichen Austausch ersetzen können wird. Unsere Pfingstseminare leben gerade davon. Hoffen wir, dass dieses rein digitale Format eine Ausnahme bleibt.

Sowohl der Einführungs- als auch der Abschlussvortrag wurden aufgezeichnet und werden demnächst noch online zur Verfügung gestellt.